304 I* Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.
dass sie sich, ähnlich wie dies hauptsächlich in Deutschland mehrfachgebräuchlich war (Fig. 109), ausser mit solchen blossen Anhängseln, nochmit einem langen und breiten verzierten Gurt querüber behingen, daranzumeist eng aneinandergereiht kleine Schellen oder Glöckchen lose be-weglich befestigt sassen, in deren Gestaltung man überdies aufs Vielfäl-tigste wechselte (Fig. 133 c; vergl. S. 223). — Noch sonst aber be-gnügte man sich auch, und so bis zum Schlüsse des Jahrhunderts, ohneVerwendung von Zaddeln und Schellen, mit im Ganzen einfacherenRöcken, welche, bis gegen die Knie hin reichend, nur von der Taille abmehrentheils steif regelmässig gefaltet waren und weite bald längere baldkürzere gesteifte Hängeermel hatten, zuweilen (wie die französischen„mahoitres“) unmittelbar über den Schultern etwas wulstig aufgebauscht(Fig. 134 b; vergl. S. 74).
Anknüpfend nun an die knappeKleidung, die eigentliche Jacken-tracht, suchte man der Hinneigungzu absonderlichen Formen wesentlichdadurch zu genügen, dass man sieunterschiedlich aufschlitzte, was zu-gleich die Anwendung von darauf be-rechneten Unterkleidern mit sich brachte.Zuvörderst blieb man dabei stehennur die Jacke in ähnlicher Weise, wieschon seither die engeren Errnel, anmehreren Stellen, so vorzugsweise aufder Brust und längs dem Rücken, mehroder minder weit zu öffnen und dieseOeffnungen zu unterpuffen. Nicht langejedoch, so begannen Einzelne dieseSchlitze theils zu vermehren, theils indem Grade zu erweitern, dass die Jackeim Grunde genommen nur noch einemaus schmalen Streifen gebildeten Gitter-werke glich, kaum mehr geeignet dasUntergewand einigermassen zusammenzuhalten. Alsbald sich auch nichtmehr damit begnügend, schritt man dazu vor allem die Ermel sowohlvom als auch hinterwärts der ganzen Länge nach aufzuschneiden undsie höchstens, damit sie doch nicht eines jeglichen Halts entbehrten (ausserum das Handgelenk), vorn in weiten Abständen zum Zuknöpfen einzu-richten. In Folge dessen pflegte man das Untergewand von feinstemStoff in möglicher Weite zu beschaffen, so dass es aus den Oeffnungen,wie hauptsächlich auch mit seinen Ermeln, in faltiger Fülle zu Tage trat.