Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
305
JPEG-Download
 

A. Tracht. Italien . Kleidung der Männer (1400—1500). 305

— Ganz demiihnlich verfuhr man dann auch mit den engen Beinkleidern,dadurch denn ein derart Bekleideter gewissermassen den Anschein ge-wann, als sei er über dem blossen Hemde lediglich mit Bandstreifen be-deckt (Fig. 135). — Versah man die Jacken mit kurzem Schoss, so gabman diesem häufiger die Gestalt eines engen Schurzes, aus mehrerenentweder übereinander oder kreuzweis durcheinander geordneten schmalenStreifen gebildet, gewöhnlich rechts und links bis zur Taille bogenförmigausgeschnitten. Dazu kam, was diese Tracht noch wunderlicher erschei-nen Hess, dass man siimmtliclie Öffnungen am Bande zierlich einfassteund davon wenigstens einzelne, wie hauptsächlich an den Beinkleidern,mehrerer Befestigung wegen stellenweis durch überkreuz gezogene farbige»Schnüre verband (Fig. 135).

Das bisher Gesagte betraf fast lediglich die oberen Gewänder. Dieuntere Kleidung ward bei dem Allen, mit nur höchst seltenen Ausnah-men , von der oberen verdeckt oder kam doch eben nur da, wo dieseentweder kurzermclig oder gänzlich ermellos war, mit ihren Ermeln zurErscheinung. Im ersteren Falle beliess man sie, wie seither, durchgängigeug, im anderen Fall aber gestaltete man sie nun vorherrschend, wie anJen kürzeren engeren und faltigen Röcken, vom Elllenbogen bis zurSchulter hin bauschig (Fig. 128 a — c; Fig. 131 a; vergl. Fig. 127 ff.).

Hinsichtlich der Gürtung wechselte man fortan nur noch darin ab,dass man den Gurt, ganz abgesehen von der Beschaffenheit des Gewandes,ausser in der sonst üblichen Weise (um die Taille oder tiefer), nun auchwohl von der rechten Hüfte, indem man ihn hier befestigte, querüberlose hängend trug. Er selber bildete nach wie vor theils eine nur schmalefarbige Schnur (Fig. 123), theils einen Riemen oder ein Band von unter-schiedlicher Breite und Länge mit mannigfachem Zierrath bedeckt, theilsein metallenes Schartenwerk, und erfuhr im Wesentlichen kaum nocheine weitere Durchbildung, als dass man ihn im Einzelnen, soweit eseben seine Form überhaupt gestattete, zunehmend reicher, nicht seltensogar durch zierlich gefasste Edelsteine, Perlen u. dergl. verzierte; einSchmuck, den man auch gelegentlich bei den bandelierartig getragenenSchellengiirteln anbrachte (Fig. 133 c; vergl. Fig. 128; Fig. 134 c).

Die mantelartigen Umhänge — dazu von den schon erwähntenGewändern gewissermassen sowohl jene langen, weitfaltigen Ueberröcke,die man in Weise der Toga umwarf (Fig. 124 a), als auch die kürzerenschaubenförmigen Ueberzieher zu rechnen sind (Fig. 127) — wurden nochausserdem durch einige geringe Nebenformen vermehrt. Es waren diesedoch eben auch nur als Abarten von den fortbestehenden Rücken- undSchultermänteln, einestheils ganz diesen ähnliche, nur etwas kürzere oderauch nur zierlicher zugeschnittene Umhänge (Fig. 136) mit einfachem oder

We i 83 , Kostümkunde. III. on