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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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306
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306 I- Das Kostüm vom Beginn des 14 . bis zum Beginn des 16 Jahrh.

künstlicher gestaltetem Schulterkragen, amlerntheils sehr kurze und knappeSchulteriuäntelchen, die zumeist, ganz wie das altrömische „sagum,“ auseinem viereckigen Stück bestanden und auf der rechten Schulter vermit-telst Knöpfen oder einer Spange befestigt wurden (vergl. Fig. 103). Dereigentliche Wechsel hierbei beschränkte sich auf die Gestaltung jenerKrügen. Ihnen gab man mitunter selbst absonderliche Formen, indemman sie, bei sehr verschiedener Ausdehnung, bald zu mehreren, oft wun-derlich gebildeten lang herabhängenden Lappen ausschnitt (vergl. Fig-127 b), bald, zuweilen unter gleicher Behandlung, dadurch verdoppelte,dass man ihnen noch einen kürzeren Ueberfall-kragen hinzufügte, bald auch, bei sonst einfachemSchnitt, hinterwärts inmitten zu einer Art vonKapuze faltig zusammenfasste u. s. w. Abgesehenvon den sehr knappen Sehultermäntelchen, dieman gewöhnlich nur mit farbigen Bordüren ein-fasste, fuhr man in Ausstattung der übrigenMäntel fort sie (ausser mit derartigen Einfas-sungen) mit Knöpfchen von nicht selten reicherGoldschmiedearbeit und gelegentlich, auch ohneRücksicht auf die Jahreszeit, mit Pelzwerk zuverbrämen.

Die Beiubekleidung liess kaum noch eineweitere Veränderung zu, da man sich noch durch-aus nicht dazu verstehen konnte, ihre altherge-brachte Gespanntheit aufzugeben. Das Augehatte sich einmal so daran gewöhnt, dass mansie ja auch da, wo man sie in absonderlicherWeise vielfach schlitzte, wiederum durch Schnüreeng zusammenzog (Fig. 135). Man blieb dabeisie, allein mit Ausnahme von eben solcher Ab-wandlung, in Form von glatten ganzen Hosenund von besonderen Knie- und Unterschenkelhosen zu tragen (Fig. 129Fig. 130; Fig. 131 a ). Die Bänder, damit man die Kniehosen unter-wärts befestigte, pflegte man ein- und auch mehrfach zusammen zuschleifen, so dass auch sic eine Art von Zierde bildeten; diellosen über-haupt aber immer häufiger in der Weise des „mi-parti“ aus verschieden-farbigen Langstreifen hevzustcllen und auch, falls man sie einfarbig be-liess, ausserhalb der ganzen Länge nach wenigstens mit einem schmalenverzierten Streifen zu besetzen (Fig. 133 b). Zudem versah man sie imspäteren Verlauf der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit ähnlichenSchamkapseln, wie solche seit länger in Frankreich unter der Bezeichnung.,bragufttes“ allgemeinere Aufnahme gefunden hatten (S. 88).

Fiif. WO.