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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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308 U Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zutn Beginn des 16. Jahrh.

bis zur Unförmlichkeit erhöht (Fig. 128 c; Fig. 129 a. b; Fig. 132 e;Fig. 134 c). — Bei den gesteiften Kund kappen wandte man sein Augen-merk vorzugsweise auf die Krempen. Sie machte man nicht allein breiterund weiter, sondern gab ihnen auch, in Verbindung damit, durch Aus-schneiden sowohl, als durch Umbiegen zumeist nach oben, die mannig-fachste Abwechslung, dergestalt, dass sie oft geradezu hörnerartigen Auf-sätzen glichen {Fig. 124 c; Fig. 135; Fig. 136). Selbst mit den weib-lichen Kopftrachten theilten mindestens einzelne Stutzer die kissenförmigenbreitausladenden Rundwülste, die sie dann gelegentlich noch oberhalbdurch eine Fülle von Zeug, das sie faltig auf bauschten, zu überbieten suchten(Fig. 132 b; Fig. 133 a). Noch ferner endlich eignete man sich, dochwie es scheint erst seit der Mitte des Jahrhunderts, auch förmliche hoch-aufgesteifte Hüte mit auf- oder niedergeschlagener Krempe ( Fig. 134 b)und, in Nachahmung französischen Gebrauchs, als schmückenden Behangder Kopfbedeckungen überhaupt, die in Deutschland sogenannte „Sendel-binde“ in allen den ihr eigenen Gestaltungen immer allgemeiner an(Fig. 124 c; Fig. 126 a. b; vergl. S. 224; S.* 94). — Zugleich mit denFormen wechselte man in deren Ausstattung. Auch sie erfuhr gleichvon Beginn an eine beträchtliche »Steigerung in Anbetracht sowohl derFärbung als auch, und noch vielmehr, des anderweitig verzierenden Bei-werks. Die zur Einfassung bestimmten Bordüren, so wie die zur Um-windung angewandten Bänder und Schnüre, als auch insbesondere diemannigfachen kleinen metallenen Zierrathen, damit man nunmehr haupt-sächlich die gesteifteren Kappen u. s. w. vorn und inmitten des Kopf-theils zu besetzen pflegte (Fig. 135; Fig. 136), wurden stets reicher undreicher beliebt, und ebenso ward es gebräuchlicher die nur einigermassendazu geeigneten Bedeckungen durch vorn oder seitlich angebrachte farbigeFedern zu schmücken (Fig. 125 a; Fig. 131 a. b: Fig. 134 b) und ge-legentlich selbst mit Pelzwerk zu füttern oder doch an den Rändern da-mit zu verbrämen. So unter anderem auch die mit Schulterkragen ver-sehenen Kapuzen, die man schon frühzeitig vereinzelt sogar lediglichdaraus verfertigte (Fig. 132 c). Auch brachte das Stutzerthum nochfortdauernd, bis gegen den Schluss des Jahrhunderts, in allen Fällen da,wo es, wie eben bei der Kapuze, der Sendelbinde u. dergl. thunlich war,das sogenannte „Zaddelwerk* und zwar nun unter nicht minder zuneh-mender Vermannigfachung, wie das Uebrige, mit besonderer Vorliebe inAnwendung.

Nun auch wurde die Haartracht mehrerer Veränderung unterworfen.Die älteren und ernster gesinnten Männer allerdings, die dem Wechselder Mode überhaupt weniger huldigten, fuhren fort das Haar in ge-wohnter Weise theils mässig zugestutzt und über der Stirn gerad abge-schnitten, theils auch ganz kurz zu tragen, und es in solcher Beschaffen-