Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
312
JPEG-Download
 

312 I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrb.

loses Jäckchen darüber anzuziehen, das indessen nur selten tiefer bisknapp über den Unterleib hinabreichte, also dass die Arme gänzlich ent-blösst blieben.

So vornämlich bei der vornehmen Jugend, die nun überdies begannvon den mannigfach seltsamen Formen von Kopfbedeckungen, dievordem nur vereinzelt Aufnahme gefunden hatten, immer weiteren Ge-brauch zu machen (Fig. 137 a — e; Fig. 138; vevgl. S. 291). — Von denälteren und den verheiratheten Frauen wurde jene Art von Obergewand

zwar ebenfalls zunehmend häu-F ' lg ' figer angewendet, doch hielten

sie daneben auch noch ferneran den durchgängig weiterenGewändern mit besonderer Vor-liebe fest (Fig. 139 b). Soauch blieben sie noch einst-weilen dabei diese Gewänderganz in der hergebrachten Weisemehr oder minder faltig undlangschleppend, völlig geschlos-sen oder vorn offen, gegürtetund ungegürtet zu tragen, höch-stens nur darin dem wandeln-den Geschmacke folgend, dasssie zum Theil den Halsaus-schnitt, ganz ähnlich wie denan den enganschliessenden Kö-cken, unterschiedlich weit undtief gestalteten und somit ebenwie bei jenen Röcken vermit-telst eines verzierten Brustlatzesunterlegten. In allem Uebrigenaber und so auch in Gestaltung der Ermel fand hierbei zunächst nochkeine wesentliche Neuerung statt, ausgenommen allein im Schmuck, wiehauptsächlich in der Ausstattung durch Randbesätze u. dergl., die man,wie an den (.. cwändern überhaupt, so nun auch an diesen Röcken in stei-gendem Maasse reicher durchbildcte.

Vor allem aber waren es die mittleren jund niederen dienenden Stände,welche die ihnen seither eigene Bekleidung auch noch weit über die Mitte,ja zum grösseren Theile selbst bis gegen den Schluss des Jahrhunderts,wenigstens dem Schnitte nach fast ohne einige Veränderung fortsetzten.Nach wie vor trugen sie das zumeist minder lange Obergewand theilsdurchweg weit und faltig (Fig. 140 b), theils oberhalb bis zu den Hüften