A. Tracht. Italien . Kleidung der Weiber (1400—1500). 315
gamo wurden die Schleppen überhaupt nicht geduldet, auch war dort,wo man sich im Ganzen nur wenig nachgiebig zeigte, den Frauen undJungfrauen noch insbesondere anbefohlen die Brust nicht zu entblössen,sondern bescheidentlich zu bedecken, und den geringeren Ständen unter-sagt, sich innerhalb der Stadt, gleich den Vornehmen, der Wägen zubedienen. Am besten bei dem Allen kamen noch die Frauen der Ritter,der Rechtsgelehrtcn und der Aerzte fort, denen man, da sie eine Art vonZwitterstellung zwischen dem Adel und dem eigentlichen Bürgerthumeinnahmen, hie und da gelegentlich Manches, was sonst eben nicht ge-stattet war, zuliess. —
Durch die Herausbildung der vollständiger gesteiften (.Ibergewänderseit der Mitte des Jahrhunderts erfuhr die weibliche Bekleidung im All-gemeinen eine nicht unwesentliche Neuerung. Sie machte sich um soauffälliger geltend, da diese Gewänder zu den bestehenden formen ionOberkleidern, so namentlich zu den durchgängig faltigeren, einen ent-schiedenen Gegensatz bildeten. Sonderbar genug, und wohl hauptsäch-lich in dem stets lebendigen Geist des Widerspruchs im ^ eiein mit derwachsenden Hinneigung zu mehrerem W echsel begründet, machte nundaneben auch die Jugend in den höheren Ständen wiederum eben vonjenen weiteren Röcken häufigeren Gebrauch, dabei indessen auch nichtminder sorgsam die Verwendung der oberwärts cnganschliess^nden Röckefortsetzend. So nun aber durch' die gesteiften Gewänder einmal auf eineganz neue Gestaltung hingeleitet, blieb es in der Folge nicht aus dassman davon vereinzelt immerhin etwas auf die seitherigen Gewandungenzu übertragen suchte, was denn vorwiegend bei den schon an sich zumTheil engeransehliessenden Röcken geschah. Endlich, gegen den Schlussdes Jahrhunderts, nachdem man sich vielfach uni mögliche Abwandlungenim Einzelnen bemüht hatte, gelangte man, zugleich unter dem Einflüssefremder, insbesondere der burgnndisch-französischen Moden, auch zu man-cherlei absonderlichen Formen, so dass die weibliche Tracht im Ganzengenommen nunmehr eine ganz ähnliche Mannigfaltigkeit darbot, wiesolches bei der männlichen Tracht bereits seit dem Beginn des Jahrhun-derts in V eiterem der Fall war.
Bei den oberhalb enganschliessenden Röcken zunächst äussertesich die nun mehrfach wechselnde Geschmacksrichtung vor allem darin,dass man das Leibchen in seiner Gespanntheit häufiger bis tief über dieHüften herab, ja zuweilen sogar bis über den Unterleib hin verlängerte(iig. 141). Um die dadurch beabsichtigte Wirkung möglichster Schlank-heit noch zu erhöhen, pflegte man es in dieser Gestalt, ohne die Formendes Körpers irgend zu unterbrechen, bis dicht um den Hals hinaufgehendzu tragen und es zumeist nur vorn inmitten, der Länge nach, wo es ge-knöpft oder geschnürt ward, und rings um den knappen Halsausschnitt,