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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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316
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31g I. Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zom Beginn des 16. Jahrh.

mit einer breiteren oder schmäleren, doch gemeiniglich sehr reich undzierlich behandelten Borte u. dergl. zu besetzen. Selten wandte mandafür die noch sonst üblichen Formen des Halsausschnitts an, ausgenom-men etwa noch den einfach viereckten, in welchen Fällen aber, wo esgeschah, man sich dann auch durchgängiger der bereits so beliebten ver-schiedenartigen Untertücher und Brustlätze bediente (S. 311). Den unterenTheil des Rocks beliess man im Ganzen, wie seither, faltig und schlep-pend, obschon man gelegentlich auch ihn um Einiges verengerte und wohl

auch selbst in Betreff der.Schleppe min-destens in etwas mässigte. Bis gegen denSchluss des Jahrhunderts blieb man dabei,ihn mit dem Leibchen aus einem Stückherzustellen; von da an jedoch pilegte manihn, nach französischem Vorgänge, mitunterdavon zu trennen und somit beide Theileje selbständig zu behandeln. DieGürtungfolgte dem Schnitt des Leibchens und rücktedemgemäss tiefer herab (Fig. 141).

Daneben erfuhren die durchgängigweiteren faltigen Obergewänder zum Theil,im Uebrigen aber mit Beibehalt aller derihnen bereits eigenen Abartungen des Hals-ausschnitts, der Brustöffnungen u. s. w., einedavon ziemlich abweichende Gestaltung.Der Geschmack für mehrere Glätte spieltezwar auch hierbei mit, beschränkte sichjedoch wesentlich auf eine nur massigeZusammenziehung der Stoffmasse um dieBrust, so dass sie diese, wenn auch ge-wöhnlich faltenlos, doch keineswegs etwabis zu genauerer Kennzeichnung der Formgespannt, umgab {Fig. 142 c. d; Fig. 143 c). Dazu kam, und zwargerade gegensätzlich zu jenen Gewändern, dass man sie, falls mansie nicht ungegürtet beliess (Fig. 143 c), hoch, ja zuweilen nahe unterder Brust gürtete, und bei Anwendung eines Brustausschnitts nicht seltenausserdem mit einem den Ausschnitt ringsumgebenden breiten Kragenausstattete, was denn diese schon an sich wenig reizvolle Anordnung nochmehr beeinträchtigen musste (Fig. 14'2 c. d). Wählte man nun zu diesenRöcken, wie in den vornehmen Kreisen zunehmend gebräuchlicher wurde,die besonders kostbaren derberen Gewebe von Seide oder Sammet, undzu deren Ausstattung dichtgewirkte oder gestickte Besätze von Gold,Silber u. dergl., so vermochten sie den Körper auch nur in breiten und