B. Geräth. Abendland im Allgem. Handwerkern. Gewerke (1300—1400). 405
xweckgemässere Verkeilung der Arbeit aus, so dass nun in jedem ein-zelnen Gewerk die eine Hand auch immer nur einerlei Arbeit verrichtete.Hemungeachtet blieb man und eben wohl mit auf Grund solches Ver-haltens, da es ja die höchste Vollendung zum Ganzen bedingte, doch voneiner fabrikmässigcn Massenherstellung im heutigen Sinne noch weit ent-fernt. Zwar erhielten dadurch die Erzeugnisse selber wohl eine gewisseGleichmässigkeit, auch arbeitete man nach durchgängigen Grundformen,wie solche die jeweilige Geschmacksrichtung vorschrieb und forderte,immerhin aber betrachtete man jedwedes herzustellende Werk, gleichvielwelchem Zweck es gewidmet war, als eine für sich bestehende Aufgabe,die nur mit bestem Wissen und Können wahrhaft würdig zu lösen sei.Und gerade hierin trat zwischen den verschiedenen Gewerken ein unge-meiner Wetteifer ein, der sie denn aber auch über eine bloss vollendeteHandwerkliehkeit um so höher erhob, als letztere eben dadurch noch01 ehr und mehr zu einer eigentlich künstlerischen Bethätigung ge-steigert wurde. Handwerk und Kunst, weder schon jetzt noch bis weitüber das fünfzehnte Jahrhundert hinaus auch nur dem Begrifte nach ge-trennt, verschmolzen mit einander aufs Engste, so dass im Grunde fastjedes Gewerk zu einem „Kunsthandwerke“ ward und somit auch in dem-selben Grade, als es sich selber veredelte, auf die Veredelung des Ge-schmacks im Allgemeinen zurückwirkte.
Gleichwie nun aber die Gewerke an sich wesentlich auf Grund derFortgestaltung der städtischen Verhältnisse zu einer derartig hohen Ver-selbständigung gelangten, erfuhren sie zugleich noch eine besondere För-derung durch die mit jenen Verhältnissen innigst verbundenen Wand-lungen des gesellschaftlichen Verkehrs und der Lebensweise überhaupt,wie solche sich gleichfalls seit dem Beginne des vierzehnten Jahrhundertsimmer vielseitiger vollzogen. Der fortan raschere Wachsthum der Städtedurch die steigende Anzahl ihrer Bewohner, und der zunehmende Wohl-stand derselben, gaben dem ganzen seitherigen Getriebe eine veränderteGestalt. Die Bezüge und Stellungen der Bewohner zu .einander gewannenj e nach ihrem Range, Vermögen und Berufszwecken an Umfang undMannigfaltigkeit. Zu der Zahl der schon Angesessenen gesellten sichnoch mehr und mehr freie und adelige Grundbesitzer, die ihre Höfe undUurgen verliessen; und selbst die Fürsten und höchsten Machthaber be-sannen in noch weiterer Zunahme sich mit ihren Hofhaltungen in einerder Hauptstädte ihres Reichs dauernd niederzulassen. Das Dasein zogSlch immer enger auf die Stadt und das Haus zurück. Die AnschauungenUn d Sonderinteressen wurden allmälig vorzugsweise dadurch bestimmt«nd fortgebildet. Die vordem in der Lebensweise noch allgemeinere Ein-fachheit, wie solche die altübliche Gewohnheit des zumeist ausserhäus-üclien Verkehrs mit sich gebracht und erhalten hatte, wich allseitiger dem