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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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407
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B, Geräth. Abendland im Allgem. Gewerke. (Goldschmiede 1300 1400 ). 407

Von den verschiedenen Gewerken nun, die sicli nach dieser Richtunghin, als auch in künstlerischer Hinsicht, hauptsächlich hervorthaten, be-haupteten die Goldschmiede den ersten Rang. Es gilt dies sowohlv ou Italien und Spanien , als auch von England und Deutschland , ins-besondere aber von Frankreich , wo sie bereits im dreizehnten Jahrhundert,zufolge des zunehmenden Aufwands daselbst seit dem Tode Ludwigs desHeiligen, eine wesentliche Rolle spielten. Fast gleichzeitig mit der Aus-dehnung ihres Betriebs hatten sie auch nicht ohne Erfolg versucht, diee dlen Metalle zu fälschen. In Frankreich sali sich daher schon Philipp III. ,der Kühne (12701285) veranlasst, zur Sicherstellung der Käufer eineVerordnung über die Güte des Goldes und Silbers zu Goldsehmiede-at'beiten zu erlassen. Sie wurde von Philipp dem Schönen um 1313Verschärft, von dem König Johann um 1355 abermals bestätigt, unddann auch von den folgenden Königen in gleichem Sinne mehrfachWiederholt. Allmälig fühlte man sich überall zu ähnlichen "S erordnungengedrängt. Dies um so mehr als die Goldschmiede, wie w enigstens inden meisten Hauptstädten, auch das Münzwesen mitbesorgten. So unteranderem wurde in Nürnberg , mit besonderem Bezug darauf, vom Jahre1350 bis um 1360 eine sehr eingehende Gewichteich-, Gold- und Silber-waagordnung festgestellt und streng gehandhabt. Die eigentlichenHauptwerkstätten blieben im Ganzen die früheren. Somit in Frauk-re ich vor allem Paris , wo sich die Goldschmiede namentlich in derz Weiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts sowohl in Erfindung vonne uen Formen als auch in künstlicher Behandlung und in geschmack-iger Mitverwendung von Edelsteinen u. dergl. zu einer Höhe empor-fchwangen, so dass ihnen die aller übrigen Länder kaum mehr zu folgen,m Stande waren. Nur in Italien vermochte man auch noch fernerdamit zu wetteifern, indem man sich in gesteigertem Grade, zugleich mitfortdauernd reicherer Yerwerthung der hier altüblichen Emailmalerei,foe reinere künstlerische Durchbildung vorwiegend angelegen seinlief *. End eben darin zeichneten sich nun, gleichwie seither schon im^"gemeinen, namentlich Venedig , Florenz und Rom aüch m der Folgebesonders aus. In Flandern bewahrten Brügge und Gent , und mDeutschland Nürnberg , Augsburg und Ulm ihren altbegründeten Ruf;auc h scheint es bei der Vorliebe, welche Kaiser Karl JT. (seit 134/)fov die Beschaffung von kunstvollen goldenen Kirchengeräthen bewies,da *s sich daneben bald Wien und Prag zu ähnlicher Bethatigung erhob.In Spanien lieferten nach wie vor hauptsächlich Toledo , Madrid undSe '-illa, nachstdem das (maurische) Granada , bei weitem die meisten,bostbarsten und vorzüglichsten Arbeiten, jedoch in ihrer Durchbildungn °eh bis tief ins fünfzehnte Jahrhundert wesentlich durch den altmauri-Sc ben Geschmack, der sie einst ganz beherrschte, bestimmt. In Eng -