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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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408
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408 !• Das Kostüm Tom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirli.

Jand endlich, wo dieser Betrieb, vermuthlich erst von Frankreich aus-gehend, nur eine allmäligere Verbreitung fand, war es und blieb es fastausschliesslich London , daselbst er sich am erfolgreichsten und glänzend-sten entfalten konnte.

In engster Verbindung mit der Goldsehmiedearbeit erfuhr die Email-malerei, und zwar zunächst in Italien , eine besondere Förderung. Zuden bereits üblichen Verfahrungsweisen, die etwa im neunten Jahrhundertvom Orient aus nach hier übertragen worden waren und seitdem allge-meine Verbreitung gefunden hatten, kam seit der Mitte des vierzehntenJahrhunderts ein neues Verfahren hinzu, das dann gleichfalls bald all-seitige Nachahmung fand. Jene älteren Verfahrungsweisen beschränktensich im Wesentlichen darauf, dass man auf dem Metalle, auf dem einBild hergestellt werden sollte, die Umrisse desselben entweder durch Be-festigung feiner metallener Streifen umschrieb oder durch Herausstichelnaus der Fläche beschaffte, und die so gebildeten Hachen Cassetchen mitder gewünschten Glasfarbe (undurchsichtig) ausschmolz. Das neue er 'fahren nahm davon Abstand, indem man das Bild nun in das Metallnach allen seinen Einzeltheilen möglichst sorgfältig eingrub und hiernachnicht nur das Ganze vollständig, sondern auch so zart überfärbte, dassjenes in seinem metallischen Glanz genau erkennbar hindurchleuchtete.Zuvörderst vermochte man dies nur in einer Farbe auszuführen; all-mälig indessen, und wie es scheint noch vor dem Ablauf des Jahrhun-derts, versuchte man auch schon gelegentlich, muthmasslich zuvörderstin Frankreich , diese stellenweis wechselnd zu tönen, was schliesslich, docherst im folgenden Jahrhundert, zu einer abermals ganz neuen Beband-lungsweise hinführte (s. Unten).

Nicht minder schritt man, auch wiederum zuvörderst hauptsächlichin Italien , in der künstlichen Vcrwerthung des Glases vor. Auchdiesen Gewerkszweig hatte man hier vom Oriente aus und wohl vorzüg-lich durch die Griechen kennen gelernt, und bereits seit früher Zeit mitglücklichem Erfolge ausgeübt. So vor allem in Venedig , wo man sichschon bald nach seiner Begründung darin ausnehmend bethätigte. ADhier zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts eben in Folge dieses Betriebseine Feuersbrunst ausbrach, wurde derselbe vorerst ausschliesslich nachder Insel Murano verlegt, daselbst er sodann in raschem Vollzüge dieweiteste Ausdehnung gewann. Bis dahin war man vorzugsweise bei derHerstellung von nur einfachen, farblosen Gläsern stehen geblieben. Vonda an indessen lernte man in zunehmender Geschicklichkeit das Glasaufs Verschiedenste zu formen und aufs Mannigfachste zu färben. Undschon vor der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts war man in der Kennt-niss der dazu dienlichen Metalloxyde bis zu einem Umfange gelangt, dassman es verstand die grösste Anzahl der damals bekannten Edelsteine bis