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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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410 ! D as Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.

vierzehnten Jahrhunderts, zunächst vorzugsweise in Frankreich , alsca-mayeu zu bezeichnen, eine Benennung die sich dafür bis ins sechszehnteJahrhundert erhielt.

Die Arbeit in Elfenbein, bisher hauptsächlich zur Verzierungvon kirchlichen Geräthschaften geübt, wurde gleichfalls bedeutend er-weitert, indem sie sich fortan auch die Ausstattung von ausserkirchlichenGeräthen zunehmend angelegener sein liess. Bis dahin in ihren Schnitz-darstellungen sich wesentlich nur in Verzierungen und, ganz ihrem Haupt-zwecke entsprechend, in heiligen Gegenständen bewegend, wandte sie sichnun auch der Verbildlichung von weltlichen Vorkommnissen noch mehrzu, den Stoff dafür den mancherlei abentheuerlichen Erzählungen ent-nehmend, die immer zahlreicher auftauchten. Vor allem waren es nochLiebesscenen, darauf man sein Augenmerk richtete, doch brachte man als-bald daneben vorwiegend auch solche Scenen zu Geltung, welche dieUnerschrockenheit und den kriegerischen Muth der erdichteten Heldenverherrlichten. Die einzelnen Werke gewannen an Umfang; man wähltetheils nach und nach grössere Platten, theils dehnte man die Zusammen-fiigung von kleineren Plättchen beträchtlicher aus, in welchem Falle mandenn zugleich auch hinsichtlich der Art ihrer Verbindung, sei es durchblosses Aneinanderreihen oder, was häufiger statt hatte, durch Zwischen-Ieistchen von Holz und Metall, zu ähnlichen Fortschritten gedrängt wurde.So auch gewann die Bearbeitung von kleinen Geräthenaus demGanze n, wie hauptsächlich von Gefässen, einen weiteren Spielraum-Gleichwie man solche auch schon seither für den kirchlichen Bedarf g e 'fertigt hatte, stellte man diese fortan auch für ausserkirchliche Zweckeher, was denn noch besonders beitragen musste den Sinn für Vermannig'fachung der Form und verzierender Ausstattung im Weiteren zu weckenund zu beleben. Auch blieb man wohl zuversichtlich nicht bei dem alt-hergebrachten Verfahren das Elfenbein zu färben stehen, sondern er-langte wohl auch darin immer grössere Fertigkeit; und eben dies nunwohl noch um so mehr, als es, von Italien aufgehend, bald allgemeinerüblich ward hölzerne Geräthschaften nicht nur mit kleinen mannigfachgestalteten Täfelchen von Metall, buntem Holze u. s. w., vielmehr auch,in Verbindung damit, und zwar in bei weit überwiegendem Maasse, mitsehr verschiedenfarbigen Elfenbeinplättchen vollständig mos'aikartig auS 'zulegen. Man nannte diese Bethätigung in Italien tarsia und inFrankreich , wo sie zuvörderst Aufnahme und fernere Verbreitung f an< ^un Allgemeinenmarqueteric.

^ or allem bedeutend war der Aufschwung, den die verschiedenenZweige der Holzarbeit nahmen. Seitdem man sich auch darin bereit»un \ erlauf des dreizehnten Jahrhunderts zu immer künstlerischer Be-thätigung erhoben hatte, gelangte nun, bei den fortgesetzt steigenden