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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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422 I* Da 8 Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jftlirh.

eines hochfüssigen bedeckelten Kelches, also dass jenes gleichsam dieKüpe bildete. Diese gestaltete man gewöhnlich becherartig, hochcylindrischoder mehrflächig, den Fuss zumeist ebenfalls wiederum ganz ähnlich denKelchfüssen, den Deckel nun aber eben fast ohne Ausnahme völlig archi-tektonisch. Bei einfacherer Behandlung beschränkte man sich darauflediglich ihn zu einem oder zu mehreren miteinander verbundenenSpitzthürmchen, zuweilen mit dazwischen vertheilten Nischen, Figii r( d ,enu. s. w., zu erhöhen, und die äusserste Spitze mit der Figur eines Hei-ligen oder auch wohl mit einem Crucifixe zu bekrönen. Nicht seltenauch brachte man statt dessen, in mannigfach wechselnder Durchbildung!ein sich frei und schlank erhebendes mehrfach durchbrochenes Fialenwernebst sonstigem verzierendem Beiwerk in Anwendung. Nüchstdem aber,in Absicht reicherer Ausstattung, dehnte man diesen Schmuck dann aiicüber das eigentliche Gefäss hinweg bis zu dessen Fuss hin aus, dergestadass dies davon gleichartig entweder nur auf zwei einander entgegeng csetzten Seiten oder theilweis ringsum begrenzt ward, mithin das Gan^ 0gelegentlich geradezu einer Monstranze glich (vergl. Fig. 183). Dab elerging man sich hinsichtlich sowohl der Gesammtanordnung, als auchder Herstellung und Vertheilung des Einzelnen, vor allem in Deutschlanin stets neuen Erfindungen, ohne doch irgendwie je die Grenze des i' 1sich abgeschlossenen Kunstgemässen willkürlich zu überschreiten. N 00 * 1andere Formen, darin man sich mit dem gleichen Geschick bewegte, d' eman jedoch zum grössten Theil ausschliesslich von Metall unter Mit verWendung der eben dafür geeigneten Verzierungsmittel verfertigte, Tvarendie von einzelnen, meist reichstgcgliederten runden oder mehrseitig 011Thürmen, von unterschiedlich hohen, bald breiteren, bald schmäle renspitzbogig oder dreieckig abschliessenden Nischen mit und ohne Einsatzfigürchen, und, ausser von noch sonstigen mitunter höchst eigenthu 111liehen baulichen Sondergestaltungen, als freien durch Strebebögen u. s.verbundenen Säulen- und Pfeilerstellungen, die von vollständigen kir°liehen Gebäuden, zuweilen selbst von reichster Durchführung. D aZtlpflegte man die thurm- und nischenartigen Gebilde gemeiniglich nun, äbnlieh wie die Kelche u. a., je mit einem höheren Fuss, die übrigen Gcbilde hingegen je mit einer nur massig erhobenen flachen Tragplatteversehen, und solches ebenfalls, dem Ganzen entsprechend, schmuckzu behandeln. Ueberhaupt aber gestaltete man die Behälter auch ninsbesondere, wie schon seither, zu grösseren und kleineren TruhenUmschlusssärgen in mannigfachster Ausstattung, doch nun auch hievorwiegend unter Verwerthung der eben herrschenden baulichen Zi°formen, wie namentlich, zur Gliederung der Flächen, der Strebepf el ^und der "von Säulen eingefassten spitzbogigen Nischen, der Fialendes Laub- oder Rosettenwerks. Da die Erhebung und Einsargung v0