B. Geräth. Abendland im Allgem. Kirchenger. (Möbel 1300 1400).
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ganzen heiligen Leichnamen schon seit länger anfgehört hatte, erhieltendiese Behälter auch nur noch selten grössere Ausdehnung. —
Die sogenannten „Taufsteine“ schliesslich, die man im fiebrigennach wie vor auch in Bronzeguss beschaffte, wurden auch ihrer Grund-form nach fortdauernd als grosse Kelche behandelt, zuweilen mit einemDeckel versehen, und nicht selten vollständig, zugleich -mit Einschlussdes letzteren, einesteils durchaus architektonisch, anderntheils, gemeinig-lich im engsten Zusammenhänge damit, durch figürliche Darstellungenv on einzelnen Heiligen oder von ganzen Begebenheiten aus der heiligenGeschichte, der Taufe Christi u. s. w., aufs Verschiedenste ausgestattet.
In Herstellung der noch ferneren kirchlichen Geräthe, da-von aus dem vierzehnten Jahrhundert ausser bildlichen Darstellungenfreilich nur äusserst Weniges erhalten ist, suchte man der gerade dafürbereits besonders beanspruchten baulichen Verzierungsform, untei bestän-digem Anschluss an ihre Fortgestaltung, eine auch noch weitergreifendeDedeutung zu geben. In Folge dessen gewannen vornämlich die Altäreentweder an sich oder in ihren Verkleidungen durch Metallplatten, sofernman diese überhaupt noch beliebte, und die Kanzeln, als eben mitdem Gesammtbau unmittelbarer verbunden, zunehmend häufiger das Ge-präge von wirklichen kleinen Bauwerken, selbst von reichster Detailbe-Handlung. Die eigentlichen (oblongen oder würfelförmigen) „Altar-Tischeallerdings, da es noch immer gebräuchlicher wurde sie zum grossen Theile°der auch rvohl gänzlich mit mehr oder minder kostbaren Decken zu um-hüllen, konnten in solchen Fällen des eigenen Schmuckes entbehren, undbeschränkte man sich somit auch zumeist darauf, sie längs ihren Kanten2U Pfeilern oder Säulen, und höchstens auch auf der vorderen Flache zueinem nur einfachen Maasswerk ausznarbeiten. Dahingegen bestrebte»an sich nun um so eifriger, sie noch durch mancherlei reichverzierendesDeiwerk auszustatten, dahin denn vor allem, zur Aufstellung hinter undüber ihnen bestimmt, jene vorerwähnten in Holz geschnitzten, bemaltenu ml vergoldeten, oft umfangreichen „Altäre“ gehörten (S. dH)-
1 Bei den unterschiedlichen Sitzen, den Bischofsstühlen I re-
Jigtatühlen, Chorstühlen, Bänken u. dergl., waren und blieben eshauptsächlich die Lehnen, und bei den Singe- oder Lesepulten vor-liegend die Untergestelle, was eine derartig schmuckvolle Behandlungmfuhr. Die Seiten- und Rückenlehnen gestaltete man vorerst noch zu-mei st geradlinig, seltener gebogen, und gab ihnen demnach durchgängiger,z üweilen auch schon in fortlaufendem Zusammenhänge mit den Füssen ,dic Dorm von mehrfach gegliederten Pfeilern oder Säulen mit daraufruhenden Kavniessen und dazwischen geordnetem erhobenem oder durch-brochenem „Maasswerk“, gemeiniglich aus dem sogenannten „Dreiblatt“Und »Vierblatt“ bestehend. Mitunter fügte man dem noch eigens, so