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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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424
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424 I- Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

namentlich längs den Eckkanten, eine Verzierung von Rankenwerk, vonSchnörkeln und selbst auch von kleinen rundgearbeiteten menschlichenFiguren von mannigfacher, oft seltsam phantastischer Durchbildung hinzu.Die Seitenlehnen fertigte man, wie auch schon seither, stets niedriger alsdie Rückenlehnen. Nächstdem aber ward es nun noch üblicher, die letz-teren beträchtlich zu erhöhen und sie, so insbesondere an Bischofssitzenund Chorstühlen, wo man dies zumeist steigerte, mit einem sich frei nachvornhin erstreckenden baldachinartigen Dach zu versehen; dies Allesgleichfalls baulich verziert. Stellte man die Stühle unterhalb, wie diesschon seit Alters gebräuchlich war, anstatt mit eigentlichen Füssen , rings-herum völlig geschlossen her, erhielten auch die so entstehenden Seiteneinen dementsprechenden Schmuck. Im Uebrigen beschaffte man sie über-haupt noch fortdauernd nicht nur von Holz, sondern auch von Stein undMetall, und schmückte sie überdies, je nach dem, noch besonders durchMalerei, Vergoldung und (vorwiegend in Italien ) durch eingelegte Flach-arbeit (S. 410). Daneben fertigte man allerdings auch noch immer ein-fachere Stühle, häutig sogar mit nur sehr geringer oder ohne jedwede\ erwerthung von architektonischen Zierformen, zum Theil, im Anschlüssean die eigentümliche Gestaltung der uraltherkömmlichenKlapp"Stühle, mit durchweg gebogenen Lelineu und Füssen . Von derartigeneinfacheren Stühlen ob aber zum kirchlichen Gebrauch bestimmt?haben sich einige wenige, wenn auch wohl nicht gänzlich frei von spä"terer Umbildung, erhalten, die etwa noch aus dem Schluss dieses Zeit-raums oder doch spätestens aus dem Anfänge des nächstfolgenden her-rühren dürften ( Fig. 184 a. b). Noch sonst aber blieb man auch dabeidie Sitze insgesammt mit Decken und Kissen zu belegen, sie gelegent-lich , wie die Bischofsstühle u. A., durch einen ein- oder mehrstufigenUnterboden zu erhöhen und ihnen Fussbänkchen beizuordnen - , dieseebenfalls sehr unterschiedlich durch Schnitzerei u. dergl. geschmückt.

Die Untergestelle der Singe- oder Lesepulte behandelte man fort'dauernd vorherrschend als pfeilerartige Stützen mit mehr oder minderbreitausladendem Untersatz oder Sockel. So stellte man sie tlieils nurmehrseitig mit einzelnen Gliederungen übereinander, theils als einensolchen Mittelpfeiler mit darum regelmässig vertheilten strebepfeilerför-migen Ausladungen, diese zuweilen selbst ziemlich breit und von mancher-lei Maasswerk durchbrochen, theils aber auch als einfache und als mehr-fach gedoppelte Säule her; Alles dies mit dem Fuss und der Plattethimlichst zu einem Ganzen verbunden. Die Platte wurde fast ohneAusnahme zum Herumdrehen eingerichtet. Ihr selber gab man in ein-zelnen Fällen, wenn man sie von Bronze fertigte, auch nach bereits über-kommenem Brauch, die Gestalt eines Adlers mit halbausgebreiteteu Flügel;der auf einer Kugel fusst; nun jedoch immer allgemeiner die von nui