B. Geräth. Abendland im Allgem. Kirchenger. (Möbel 1300—1400). 427
wurde (S. 412), begann man, zunächst jedoch auch nur noch schüchtern,das Ornament weiter auszudehnen. Von nun an schritt man allmäligdazu die senk- und wagerechten Zwischcnleisten, als auch die einzelnenFüllungen, in erhobener Arbeit zu verzieren; jene gemeiniglich architek-tonisch, diese hingegen fast durchgängig, gewissermassen im Anklangea n ihre sonst übliche Verkleidung, in Gestalt von mehrfaltig zusammen-gezogenen Pergamentstreifen (vergl. Fig. 186). Zudem beliebte man einst-weilen noch dies Alles, wenngleich schon immer sparsamer, durch farbigenAnstrich, so namentlich des Grundes, zu vermannigfachen. — Den Truhen(Koffern oder Laden) bewahrte man durchgängig die Form einer grösserenoder kleineren länglich viereckigen Deckelkiste (mit flachem, halbrundemoder mehrflächigem Deckel) nebst Füssen oder ohne Fiisse, doch nunau ch sie in weiterem Verlauf, falls nicht durchaus mit verzierten Be-schlägen, ganz ähnlich wie die Schränke schmückend. —
Bas Beleuchtungsgeräth wurde ebenfalls lediglich innerhalbseiner einmal bestehenden Formen von unterschiedlich - umfangreichenFronenartigen liängeleuchtern, von Stand- und Trageleuchtern nur imEinzelnen noch wechsclvoller und reicher durchgebildet. Wie dessen Ver-fertigung überhaupt vorwiegend Sache der Metallarbeiter, der Bronze-giesser und Eisenschmiede, seltner der Goldarbeiter, war und blieb, brachtendiese nun die auch in ihrem Bereiche auftauchenden neuen Verfalirungs-Wcisen dafür in Anwendung (S. 413 ff.). Die grossen Kronenleuchterhatte man vordem, zuweilen mit besonderer symbolischer Beziehung als»Bild des himmlischen Jerusalem “, hauptsächlich als kreisrunde Reifendarum regelmässig vertheilten halbrund (flügelartig) ausladendenEichterbehältern zumeist in kunstvoll durchbrochener Arbeit mit Einfügungv °n rundgearbeiteten Figürchen u. dergl. behandelt. Von einem derar-tigen Bezüge nahm man allmälig Abstand, und sich so mehr und mehrjedes Zwanges entschlagend, schritt man jetzt dazu sie bei weitem häufigerau s mehreren, gewöhnlich sechs oder acht Aermen sternförmig anzu-ordnen, indem man diese kreuzweis miteinander verband, und nur nochdementsprechend ringsum, durch Zwischenglieder, festigte. Gleichmässigdamit begann man sich auch in der verzierenden Ausstattung um so freierZu bewegen. Mit fortdauerndem Beibehalt der durchbrochenen ArbeitSUc hte man nun, zugleich unter Beimischung von selbständig geschmie-deten Zierrathen, jede nur irgend dafür geeignete Zierform, wie denn na-mentlich das verschiedenste Maass-, Blätter- und Rankenwerk, als auchdas rein bauliche Stab- und Fialenwerk, zu verwerthen; auch liess manfernerhin nicht an mancherlei figürlicher Zuthat in Nachbildung von^nschen und Thieren fehlen, wie man denn nicht minder fortfuhr dasEanze oder einzelne Theile, vorzüglich wenn es von Eisen war, zu be-malen und zu vergolden. Als wahrscheinlich ist anzuuehmen, dass man
1