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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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430 ! D ftS Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

an das Gesetz seines Vorgängers, Philipps J1L, des Kühnen, die Fäl-schung des Metalls betreffend (S. 407), verordnete er um 1294, dass Nie-mand, welcher nicht wenigstens sechstausend l.ivres tournois Rente nach-weisen könne, goldene und silberne Gcfässe besitzen dürfe, und Jeder,der minder vermögend sei und dennoch solche Gefässe habe, sie auf diekönigliche Münze bringen solle. Da dies wohl nur wenig fruchtete, cr-liess er um 1310 eine verschärfte Verordnung, darin er den Goldschmiedenstreng verbot, solche Gefässe zu fertigen. Auch demungeachtet blieb esbeim Alten. Und während sich hiernach, in Folge dessen, Karl U-(13221328) darauf beschränkte nur Gefässe zu verbieten, die übereine Mark kosteten, sah sich gleich darauf Philipp VI. von Valois(13281350) zu einer Erneuerung des Gesetzes vom Jahre 1310, undsodann wiederum dessen Nachfolger Johann um 1356 zu einer aber-maligen Beschränkung desselben im Sinne Karls IV. veranlasst. Ueber-haupt verhielt es sich mit diesen und auch allen derartigen Aufwandge-setzen nicht anders, als wie mit den Kleiderordnungen; man erliess siein bester Absicht, konnte sie aber nicht überwachen und vermochte ihnensomit auch keine nachhaltige Wirkung zu sichern. Was durch die Ge-setze nicht erreicht wurde, führten inzwischen gelegentlich äussere Um-stände herbei. Der hartnäckige Krieg mit England (seit 1336) und derhereinbrechendeschwarze Tod mit den so tiefeinschneidenden Folgensetzten allmälig gerade dieser Neigung, bei ihrer ausnehmenden Kost-spieligkeit, eine sehr bedingte Schranke. Doch eben auch dies nur vor-übergehend. Kaum dass sich diese Wirrnisse einigermassen lichteten,machte auch sie sich wiederum geltend und blieb nichtsdestoweniger!dann etwa seit 1369 auch noch unter Einfluss des reichen Burgunds , un-ausgesetzt im Steigen begriffen. Gleich Karl V. (13641380) gab der-selben durch seine eigene Prachtliebe einen erneuten kräftigen Aufschwung-Indern er, begünstigt durch die Siege, die er über England erfocht, dieLage seines eigenen Reichs mit weiser Umsicht verbesserte, bestrebte ersich, zugleich als eifriger Beförderer der Wissenschaften und Künste, auchseinem äusseren Hofwesen den erdenklichen Glanz zu verleihen. FheSchlösser, die er erbauen liess, und welche er abwechselnd bewohnte,stattete er aufs Reichste aus und versah sie, je besonders, ausser mit denprunkvollsten Möbeln, mit dem mannigfaltigsten, kostbarsten Gold- undSilbergeräth. Selbst das alltägliche Tafelgeräth für ihn und die könig-lichen Prinzen bestand ausschliesslich in solchem Geschirr, das nochüberdies kunstvoll getrieben, bunt emaillirt und mit Edelsteinen reichverziert war. In jedem Schlosse befand sich eine eigene umfangreich®Silberkammer, in welcher alle derartigen Gefässe längs den Wändenneben- und übereinander gereiht standen. Seine Hinterlassenschaft,dann freilich auch wiederum zum Theil durch die ferneren KriegsunfiiH®