Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
444
JPEG-Download
 

444 L'- )as Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirh.

Figuren von Löwen , Tigern, Hunden u. s. w., als Sinnbildern der Kraft)der Macht und Wachsamkeit, zu versehen. Ganz dem entsprechend ge-staltete man auch das Uebrige, so insbesondere die Fussbänkchen. Heustufenförmigen Unterbau pflegte man gemeiniglich mit einem Teppichzu überbreiten; ebenso, jedoch seltner, auch den Sitz, den man vielmehrfast ohne Ausnahme mit Kissen belegte. Diese nebst den Teppichenwaren zumeist mit demThronhimmel", falls dies,er nicht aus Holzge-täfel und Schnitzerei, sondern aus Zeug bestand, von gleichem Stoffe, »®gewöhnlichsten von purpurfarbiger Seide oder Sammet mit eingewirktenoder eingestickten goldenen Zierrathen. War die Kückenwand von llolZtso erhob sie sich gemeiniglicher, unabhängig von der Unterstufe unddem Sitz, vom Boden aus, und hing dann auch wohl zu öfteren un-mittelbar mit dem Gemäuer zusammen. Die Ehrensessel glichen i®Allgemeinen den Thronen, nur dass man sie wohl im Einzelnen minderkostbar und, ohne Anwendung solcher Sinnbilder, durchgängiger auäHolz dergestalt fertigte, dass Untersatz, Sitz und die ebenfalls hohe Kücken-wandlehne ein festineinander gefügtes Ganzes ausmachten. Demnachbestand ihr Schmuck hauptsächlich in Schnitzerei und der der Kiickwandausserdem in theilweis durchbrochenem baulich gegliedertem Stab- oderLeistenwerk, was allerdings auch hier noch anderweitigen Schmuck, seies durch metallene Beschläge, sei es durch Malerei, Vergoldung u. dcrgl-nicht ausschloss. Zudem liess man es auch bei ihnen weder an kost-baren Teppichen und (Sitz-) Kissen zur Bedeckung, noch an kleinen zier-liehst behandelten Fussbänken fehlen, dagegen man ihre llückenwand)wenn überhaupt, doch nur in den seltensten Fällen von Zeug oder et"' agar in Art derThronhimmel beschaffte. Im Uebrigen waren undblieben neben diesen Sesseln in der gleichen Eigenschaft von Ehrensitzenauch noch mancherlei andere Formen von minder hochlehnigen Stühle ' 1üblich, deren besondere Auszeichnung sich lediglich darauf beschränkte,dass man sie durch eine Untersatzstufe erhöhte. Die gewöhnlichere»Stühle, die man sowohl von Holz als auch von Metall beliebte, wech-selten zunehmend in den unterschiedlichsten Gestalten. Man fertigte siebald höher, bald niedriger, unterhalb kastenartig geschlossen und tu'*freien Füssen , theils mit, theils ohne Lehnen, diese entweder von gleichetHöhe oder (durchgängiger) die Rückenlehne höher als die Seitenlehne",sie sämmtlich, zumeist in Uebereinstimmung mit den Füssen , entwedergeradlinig oder geschwungen, und dies Alles, je nach dem Stoffe undnach Vermögen des Eigners, bald einfacher bald reicher verziert. P eRückenlehnen insbesondere, mitunter auch die Füssc, pflegte man nun-mehr häutiger durch Einfügung von einzelnen Querleisten zwischen ihr°senkrechten Stützen zu gliedern, und diese Leisten, als auch die wage-rechten Querverbände der Seitenlehnen, mit bunten Franzen zu benageln-