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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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B. Geräth. Abendland im Allgem. Hausger. (Möbel 13001400). 445

So auch wurden fortan die mit nicht allzuhoher Rückenlehne versehenenSessel gelegentlich mit einem Teppich vollständig bedeckt, auch wohldurchaus, in allen Thcilen festanliegend, mit Zeug überzogen. Ausser-dem aber erhielten jetzt selbst die Stühle der minder Begüterten wenig-stens an den Rücken- und Seitenlehnen irgend welche verzierende Aus-stattung, gewöhnlich in Schnitzerei. Daneben blieben die seit Altersbeliebten kleineren lehnlosen Klappstühle auch für den rein häus-lichen Gebrauch fortdauernd in Geltung; ingleichen die altherkömmlichenBänke und Bankkästen, welche letztere indessen, soweit sich ihrerdie Reicheren bedienten, ebenfalls eine noch zweckdienlichere und zu-gleich kunstgemiissere Umwandlung erfuhren. In den vornehmeren Haus-haltungen begann man vor allem die übergrossen und schwer beweg-baren Bankkästen, die sich längs den Wänden der Zimmer hinzogen,theils zu entfernen, theils durch einzelne leichtere Bankkästen,die man aneinander reihte, zu ersetzen. Diese wurden je mit höheren(Klotz-) Füssen versehen, auf der vorderen Langiläche gefeldert, mitunterInnerhalb der Felder ausgeschnitzt und zu den sie seitwärts begrenzenden,z ümeist geraden Lehnen, die man nicht selten ebenfalls mit Schnitzereienv erzierte, mit einer hohen Rückenwand, zuweilen selbst mit nach vorndberhängender Bedachung ausgestattet, und häutiger auch dies stellen-weise mit Schnitzereien, jedoch von mehr baulicher Anordnung und Ver-keilung bedeckt. Für die minder schweren (Versetz-) Bänke behielti m Ganzen die ihnen einmal eigenen Grundformen bei, indem manjedoch nun auch sie wenigstens im Einzelnen noch mehr erleichterte unddem vorwiegenden Geschmacke gemäss noch zierlicher gestaltete. Manbesass deren bereits von sehr verschiedener Grösse, bis zu zwölf FussKänge nnd darüber, ähnlich den anderen Gesässen bald kastenartig ge-schlossen, bald nur von Füssen unterstützt, deren Zahl je nach der Aus-dehnung der Sitzplatte zwischen vier, sechs u. s. f. wechselte, theilsKdigücjj mit Seitenlehnen oder nur einer Rückenlehne, theils mit beidenZl, gleich, theils auch ohne Lehnen; die Lehnen offen oder geschlossen,'^dessen sehr selten höher als es eben die Bequemlichkeit forderte; diegrösseren Bänke zuweilen durch Zwischenlehnen zu mehreren Sitzplätzenjkgetbeilt. In Inventarien ist von derartigen Bänken mehrfach die Rede.0 finden sich unter anderem erwähnt (um 1365)eine Bank aus Eichen-zum Bewegen, von zwanzig Fuss Länge nebst Rückenlehne, um' or den grossen Speisetisch des Königs aufgestellt zu werden, ferner»sechs Bänke, drei zu zwölf und drei zu sieben Fuss Länge, undzuSe chsundvierzig Speisetischchen ebensoviele Sitzbänke. Diese LetzterenWaren höchstwahrscheinlich von nur geringem Umfange, etwa je für einehöchstens zwei Personen bestimmt. Solche Bänkchen, die ineinem nur einigermassen begüterten Hausstande fehlten, gestaltete man