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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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446 ! Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

mitunter auch nach Art der Schemel bald rund, bald dreieckig mit dreiFüssen und dazwischen geordnetem Stabwerk. Von den kastenartigenBänken wurden nunmehr einzelne zu eigentlichen Doppelbänken aus-gebildet. Man fertigte sie von beträchtlicher Breite, versah sie an jederSchmalseite mit einer geradaufsteigenden Wand und verband diese Wändeinmitten durch eine in Charnier nach vor- und rückwärts beweglich egerade Lehne, so dass mehrere Personen bequem Kücken gegen Kückensitzen konnten. Solche Bänke pflegte man hauptsächlich vor die Kaminezu stellen, wo mau sich auch darauf legte und schlief, in welchem Falleman sie gelegentlich, um sich gegen die etwa zu grosse Hitze zu schützen,mit einem Teppich zeltartig überdeckte. Schliesslich wurden auch diegrossen Truhen oder Laden (S. 427) noch unausgesetzt als Sitze mit-verwendet. Sie, zur Bergung von Kleidungsstücken, Linnen, Geld undsonstigen Werthgegenständen dienend, galten überhaupt als eines derwichtigsten Zimmergeräthe und wurden nöthigenfalls selbst als Tisch be-nutzt. In den vornehmsten Kreisen, ja sogar an den gebildetsten Hilfen,nahm man noch bis tief ins sechszehnte Jahrhundert durchaus keinenAnstand, sich bei grösseren Versammlungen auch auf solche Koffer, dieallerdings oft sehr reich mit Beschlägen, erhobenen Zierrathen, gemaltenWappen u. dergl. geschmückt waren, niederzulassen. Die Kissenzum Belegen der Sitze und die Fusskissen verblieben bis gegen denSchluss des Jahrhunderts ziemlich unverändert, viereckig und walzen-förmig. Von da an indessen begann man sie, je nach ihrer Bestimmung)eigens zu gestalten, und zwar im Allgemeinen die Sitzkissen schmal,breit, viereckig oder rund, die Fusskissen hoch linsenförmig u °dkugelig, und die Stütz- und Kückenkissen ausserdem zuweilen vier-blatt- oder rosettenartig. Man überzog sie am liebsten mit bunten hell-farbigen Stoffen, dazu die Reicheren gemeiniglicher durchwirkte odetauch mit Gold bestickte Seide, Sanimt u. dergl. wählten,, besetzte s ' elängs den Kanten mit Borten, an den Ecken mit Quasten oder Puschel 0und füllte sie, ausser mit Wolle, mit zarten Federn. Man bediente sichihrer, wie im Hause, so auch in der Kirche und bei sonst ausserhäus-liehen festlichen Gelegenheiten, wo man sie sich mchrentheils bis zu dembetreffenden Orte von einem Diener naehtragen liess.

Die Tische, sofern sie lediglich aus einer von Füssen unterstütztenPlatte bestanden, waren bereits nach Stoff, Umfang und Zweck so mannig-faltig, dass man es sich wohl zunächst noch daran genügen lassen könnt®)ihre etwaige weitere Ausbildung auf die Verzicrungsweise zu beschränken-Dies betraf nach wie vor hauptsächlich die Stützen und ausnahmsweiseden Plattenrand, dabei fortgesetzt die Schnitzerei nebst eingelegter Arbeit,Malerei und Vergoldung eine Hauptrolle spielten; nunmehr bei kleineren1scheu aber auch wohl die Platten, indem man sie aus verschiedenen