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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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474 ! Das Kostüm vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jahrh.

oder demähnlichen Gethicr, ausserdem mit allerlei anderem phantastischemZierrath, dafür man die Vorbilder ebenfalls der Thierwelt, nächstdemaber auch der Menschen- und Pflanzenwelt entlehnte. Versah man sie,was nun häufiger geschah, mit einem Fuss oder Träger, so wählte manauch dafür zumeist die Gestalt eines Thiers oder Menschen, sei es nundie einer Frau, eines Ritters oder (und scheint dies besonders beliebt g c 'wesen zu sein] eines reichbekleideten Orientalen. Diese Fiisse, die manim Uebrigen auch baulich gliederte, pflegte man gelegentlich zu ver-doppeln, zu verdrei- und vervierfachen. Auch bei Anwendung nur eine»Fusses in menschlicher Gestalt, beliebte man vornämlich das Gefäss vondieser in den Händen oder auf dem Kopfe tragen zu lassen. Je dem-entsprechend wurden dann auch der Deckel möglichst sinn- und kunst-voll behandelt, gleiehermassen theils mit Figuren, theils mit Laub- oderRankenwerk u. s. f. ausgestattet. Zu dem Allem kam gemeiniglich einkostbarer Besatz mit farbigen Edelsteinen, Perlen und eine, je demGegenstände gemässe, farbige Emaillirung hinzu. Im Besitz des Herzog»von Berry befand sich (um 1416) ein grosses Salzfass, genanntsalliere au pavillon, dessen Boden von Chalcedon in Gestalt einerMuschel war, ringsum eingefasst nach Art eines Schiffs, am Rande mitfünf Rubinen, fünf Saphiren und sechszehn Perlen besetzt. An jedemEnde des Schiffs ein burgähnlicher Thurm; auf dem einen ein schwor*und weiss emaillirter Hund mit einem kostbaren Halsbande, daran da»Wappen des Herzogs hing, mit Saphiren, Rubinen und Perlen geziertauf dem anderen ein Bär mit einem Helm auf dem Kopf nebst eniaillirtem Wappen der Herzogin, ebenfalls reich mit Steinen geschmii^'Der (darüber zu stülpende?) Deckel von Gold in Form eines (von Stabwerk durchbrochen gebildeten) Lusthäuschens (pavillon), weiss enaa*lirt, laubwerkartig bezogen mit einem in Laubwerk behandelten Knau idarauf eine Lilie (flenr de lis) mit vier BKithen, jede derselben inmitten und oberhalb mit einem Saphir und einer Perle versehen.Ganze auf einem goldenen Wagen mit vier Rädern ruhend; jedes Rinmitten durch eine grosse Perle ausgezeichnet. Zufolge allgemein 0sellschaftlicher Vorschrift sollte das Salzfass seinen Platz stets inMitte der Tafel erhalten.

Demnächst aber blieben hauptsächlich die Trinkgefässe, und hm rnach, als ja zum Theil auch in engster Verbindung damit, die mancheArten von Giessgeschirren oderKannen vielseitigster Durchdüng unterworfen. Selbst auch den Kannen, ungeachtet ihrer bedingGrundform als Flüssigkeitsbehältern, suchte man nunmehr bei sehr nn te *schiedlichem Umfange in noch gesteigertem Grade die selbst wu n elichsten Phantasiegestaltungen zu geben. Ausser dem Gefäss als solc e ^wurden dafür gleichmässig dessen Deckel, Henkel und Ausguss in