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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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488
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488 I. Das Kostüm, vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jalirli.

zwölf Stufen, liess unter anderem (um 1461) der Herzog von Burgundfür den grossen Saal im Schlosse zu Artois anfertigen.* Und bei derKrönungsfeier des Königs von Neapel (um 1495) war in der Mitte desFestsaals, als Geschenk für ihn, ein (vermuthlich demähnliches)bvff^aufgestellt, das auf seinen ringsum sich erhebenden Stufen die verschieden-artigst kostbarsten Geschirre von Gold, Silber, zumeist mit Edelsteinenbesetzt, in überreicher Anzahl trug. Die Betten, deren Fortgestal*tung zu möglichster Bequemlichkeit und Pracht man sich ganz besondersangelegen sein liess, dehnte man allmälig bis zu sieben Fuss Länge undsechs Fuss Breite aus, vermehrte das Bettzeug, verstärkte die Matratzenund verwendete sowohl für die Ueberzüge, als auch vorzugsweise für d* efaltenreichen Ueberdecken und Vorhänge die erdenklich kostbaren Stoffe-Zwei so überaus reich ausgestattete grosse Betten, durch einen vier bisfünf Fuss breiten Zwischengang und einen verschiebbaren Teppichvorhanggetrennt, mit jeglichen Bequemlichkeitsmitteln versehen, schmückten da»Gemach der Isabelle von Bourbon } der Gemahlin Karls des Kühnen-Soweit das Holzwerk des Bettgestells überhaupt noch zum 'Vorscheinkam, und falls man den Betthimmel nicht von der Decke herab ' ermittelst Schnüren befestigte, sondern auf den vier Ecken durch (hölzerne/Träger stützte, fuhr man fort sowohl jenes als diese, unter Verwerthnngder jetzt aber um so viel üppigeren Verzierungsformen, durch Schnitze* 01Vergoldung, Bemalung u. s. w. zu bereichern. Noch ausserdem jedoc^ward es nun, gegen Ende des Jahrhunderts, auch vereinzelt üblich, d^Bett in eine Ecke des Zimmers zu versetzen und, allein mit Ausschlußseiner vorderen Seite, dafür man den Vorhang beibehielt, mit geschnitzten*Holztafelwerk als Fortsetzung der (hölzernen) Wandbekleidung vollste 11digst zu umgeben. Von (Kinder-)Wiegen sind einzelne aus deinSchlüsse dieses Zeitraums erhalten. Darunter eine 2 durchaus von Kupfe r >theilweis vergoldet, mit hohen Füssen nebst Wiegebalken; die beide* 1 2Langseiten in Vierblattverzierung durchbrochen, die Schmalseiten J e(zwei) Spitz- und Rundbogenfensterformen gegliedert; die vier Eckpfostenmehrfach eingekantet und oben mit einem steifkelchförmigen Zapfen ^setzt. Aus der Fülle von Kleingeräthen endlich, dazu nun **die mancherlei verschiedenen, zuweilen nicht minder kostbar beschaKamingeräthschaften (Feuergabcln, Zangen, Spiesse u. dgb)und welche überhaupt sowohl nach Zahl als auch nach Mannigfalhg ^von Zweck und Form in steter Zunahme begriffen blieb, sei nur bc'spweise, eben seiner reichen Ausstattung wegen, ein Schreibzeug

er-

1 Vergl. die Beschreibung derselben nach Alienor de Poitieis ei

Le-Duc. Dictionnaire du mobilier fran^ais. S. 181 ff. 36 -

2 C. Becker und H. v. Hefner-Alteneck. Geräthe u. s. w. **