Buch 
3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
Entstehung
Seite
494
JPEG-Download
 

494 ! Das KoBtiim vom Beginn des 14. bis zum Beginn des 16. Jabrh.

spruchte, an einer steten Wiederholung von nur wenigen einfachen me *' roder minder rauschenden Weisen genügen. Sowohl die alterthümh c ^ eBezeichnungPfeiferkönig für ihren Gesammtvorstand, als auch diebis in die jüngste Zeit fortgesetzte BenennungAmts-und Stadtpfeif er >deuten auf den engen Kreis hin, in welchem sich ihre Instrumentirunge®bewegten. Gleich der Instrumentalmusik bei Turnieren und sonstig 6 ®grossen Festlichkeiten im dreizehnten Jahrhundert, bestand dieselbe aucnoch im fünfzehnten und bis ins sechzehnte Jahrhundert bei ähnliche®Gelegenheiten hauptsächlich aus unterschiedlich grossen geraden und g ebogenen Zinken, Trompeten und Posaunen, aus langen Flauten 11kurzen Querpfeifen, grossen, zum Theil sehr umfangreichen Tronn®eund Pauken, metallnen Becken, Triangeln u. dergl., nur zuweilen untermischt mit einzelnen unterschiedlich grossen geigenartigen (Streich-) I®strumenten. Selbst zur Begleitung des Tanzes bediente man sich, näcb=kleinerer Geigen, vorzugsweise der Trommeln und Pfeifen. Die K irC ^indessen blieb, ebenfalls noch bis zu dieser Zeit, fast ausschliesslich aden Gebrauch der Orgel beschränkt, ja wehrte sogar der Einführu®»anderweitiger Instrumente. So folgereich die Förderung war, welcheMusik endlich, zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, durch gesetz® atSIgere Regelung des (harmonischen) Zusammenklangs und die Ausbild 11 ®?des (contrapunktischen) Satzes durch Ockenheim , Josquin de Pres 11 *fand, betraf dies lediglich die kirchliche Musik als solche; und währt 6es noch geraume Zeit, bis dass dies auch der weltlichen Musik zu Cr® tekam und die Instrumente im Einzelnen, nun demgemäss, eine sie ' eredelnde Fortgestaltung erfuhren. Die Orgel, da in beständigem B ezU ?zur Kirche, wurde fortschrittsmässig verbessert. Die grössten Verdie® ^hierin erwarben sich Deutsche. Gleich zu Anfang des vierzehnten J®hunderts (1312) berief ein Patricier Torcello in Venedig mehrere dem»Orgelbauer, um künstliche Orgeln zu verfertigen. Sie zeichneten S1

durch kürzere Tasten und eine zweckdienlichere Einrichtung desbretts überhaupt aus. Sie erst konnten von einem Einzelnen ohnemässige Anstrengung mit den Händen gespielt werden. Um 1359

Griff'

über-

erhielt

der Dom zu Halberstadt durch den deutschen Orgelbauer Kicolaus F aWeine Orgel, die vierzehn diatonische und acht chromatische Klangst ®* 60hatte. Und um 1471 erfand ebenfalls ein Deutscher, Bernhard, S° f 'Organist des Dogen von Venedig, das Pedal oder die Tritthölzer, *alsbald auf noch anderweitige durchgreifende Verbesserungen hinleitete.Diese Verbesserungen theilten sich, nach Verhältniss des Zwecks, de0einen Hand- oder Trage-Orgeln mit. Das Instrument selbst, steteausserst kostbar, wurde, soweit es aus Holzwerk bestand, gemeinigl' 6 ®® rc c nitzwerk verziert; später, da es in den Kirchen eine feste Stel eer let, so namentlich seit dem fünfzehnten Jahrhundert, durchgängig 66