B. Geräth. Abendl. im Allg. (Ackergeräth u. 8. w., Fuhrwerke. 1300 1500.) 497
Mandolinen) , theils den (heutigen) Guitarren und Geigen, bald bieiteioder langgestreckter oval, entweder mit kürzerem oder längerem, gewöhn-lich kurzumgebogenem Halse oder auch, so insbesondere die letzteren,ohne eigentlichen Hals (vergl. Fig. 32 d. e). Alle äusserlichen Wand-lungen, die diese Instrumente bis gegen den Schluss des fünfzehntenJahrhunderts erfuhren, scheinen, abgesehen von ihrer verzierenden Aus-stattung, im Wesentlichen nur darin bestanden zu haben, ^dass man sie,doch auch erst im späteren Verlauf, zum Theil nicht unbeträcht-lich vergrösserte und so auch die Bögen dementsprechend verlängerteun d ihre (Saiten-) Bespannung verstärkte. Neben den seitherigen tief-tönenden „Violen“ oder (Bass-) Geigen kam, in der gleichen Eigen-schaft, ein Instrument in Gestalt eines vierseitigen, gemeiniglich sehrlangen und schmalen sich (nach oben) verjüngenden Kastens mit derb-saitigem Bezüge auf; die alte Botte oder Chrotta (Fig. 32 ej, her-V0T gegangen aus dem „Crout“, wurde in Fortgestaltung ihrer inzwischenbereits durchlaufenen Formen zu einer Art von „Woloncelle“ ’, und diehieine Violine erhielt schon gelegentlich zu den Seiten jene bogenförmigenAusschnitte, die ihr noch heute eigen sind.
Auch mit den Ackerbau-, Jagd- und Fischer-Geräthen, so-wi e auch mit den verschiedenen Transportmitteln für Sachen undPersonen, den Wägen, Karren und Tragesänften, blieb es im Allgemeinenheim Alten. Jene Gerätlie insgesammt hatten — und so vor allem inden Gegenden, wo der Ackerbau seit frühster Zeit vorzüglich gepflegtwurde, auch der Pflug 1 — bereits eine Durchbildung erlangt, daranman es sich, ihren Zwecken nach, wohl genügen lassen konnte; eineretwaigen Vervollkommnung der Wägen aber stand der fortdauernd ver-^tnissinassig nur sehr geringe Gebrauch derselben, namentlich zur cForderung von Personen, auch fernerhin entgegen. Noch bis in den An-des sechszehnten Jahrhunderts hielt man an dev alterthumhchenGe 'vohnheit fest, sogar grössere Reisen entweder zu Pferde oder m einerVOn Pferden getragenen ,Sänfte“ zurückzulegen. Und auch die Vor-nehmsten zogen es bis dahin vor, selbst bei feierlichen Gelegenheitentheils zu Pferde zu erscheinen, theils, so die höchstgestellten Damen, sic i| ra gen zu lassen. So unter anderem die Königin Isabelle von aiernhei ihrem Einzuge in Paris , wo nur die Damen ihres Gefolges in be-eckten Wägen sassen. Einer der ersten Fürsten , der sich bei fest ic emPuizuge eines Wagens bediente, war der deutsche Kaiser -Friedrich III.Es geschah dies bei seinem Eintritt in Frankfurt am Main um 1474,
1 Jergl. da8 jähere hierüber, wie über jene GerätheüherhanptinnieinerrÜQstümkunde. Geschichte der Tracht und des Geraths im Mittelalter vom
18 zum W. Jahrhundert“. (Stuttgart 1864.) S. 857 ff.
Woiss, KoBtümkunde. III.