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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.
huldigte dem durchaus. Wie er so einerseits der Freiheit des Gedanken-entgegenstrebte, wehrte er fast mit noch grösserem Eifer den weltlichenFreiheitsbestrebungen. Nicht eher wandte er sein Schwert geg enProtestanten in Deutschland , was allerdings auch die ihn näher bedrängenden Umstände hinderten, bis dass er in dem Widerspruch der einzelnenprotestantischen Fürsten zugleich eine rebellische Auflehnung gegen seineMachtstellung als Kaiser zu erblicken glaubte. In Spanien selbst abermachte er nach jener verhängnisvollen Schlacht auch jeder welthcFreiheitsbestrebung von vornherein für immer ein Ende. Dem ^ 0hier wurde jedwedes Mittel zu irgend freierer Bethätigung, wie 11Innen, so nach Aussen, fiir alle Folgezeit benommen. Ihm blieb ®Grunde nur übrig, sich auf sich selbst zurückzuziehen. So zu völlige®Stillstände gezwungen, vermochte es denn auch nicht einmal die g°lde n< ®Früchte für sich zu verwerthen, die ihm die ncuentdeckte Welt m -reicher Fülle darbot. Der Verkehr nach dort ward gehemmt, Fre®^
vielmehr Gelegenheit geboten, sie sich anzueigenen. Wie der
Handel
wurde zugleich durch nicht minder unkluge Maassregeln diethätigkeit gelähmt. Unter dem Scheine äusseren Glanzes versank ia ^Land in Dürftigkeit und sein Herrscher, unter den Mächtigen der u ^schwänglich begütertste, vermochte fast nie so viel aufzubringen efür seine Zwecke bedurfte. — In solchem Verfolge des von Ferdmeinmal fest angebahnten Wegs, gestaltete sich auch das Aussenlebendementsprechend geschlossener Form. Der alte ritterliche Stolzseiner edelsten Stütze, des Selbstbewusstseins eigener Kraft und der ^heit sie äussern zu dürfen, beraubt. Die Mannheit und Gediegenwich einer untertbänigen Schwäche und leicht erregbaren Reizt®
Das Bediirfniss geistiger Bildung verlor sich unter dem Drucke der d. ^und wandelte sich zu einer hohlen, dumpfen Selbstzufriedenheit um- ^einstige Stolz ward zu leerem Hochmuth. Er suchte nun durch räusseres Gebahren, durch steife „grande%%a“ zu ersetzen, wasInnerlichkeit abging. Ganz ähnlich, wie sich das Innenleben immerzusammenzog, vollzog sich auch das Aussenleben nach Betätigung ^Form. Mit dem einen schloss das andere ab; beides, so in sich verj.ging einer Verknöcherung entgegen, die schliesslich jedem Diwiderstand. Der Einfluss Frankreichs nach hier hörte auf und eT ^ e ,tens Italiens ward in solcher Verknöcherung allmälig gleichfallsschwächt. Aber gerade diese Weise von ruhiger Geschlossenheitauch wiederum nach Aussen hin etwas Imponirendes. Auch en •sie gewissermassen, eben in ihrer strengeren Haltung, de® a .j jre ntief geistigen Ernste, welchen die neue religiöse Richtung '° n 1 ^ g£)Bekennern forderte. Je mehr diese Form an Steifheit zunahm, uhöher auch steigerte sich ihr Einfluss. — Unter Philipps JJ- ' e