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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

Dennoch hielt man an dem Verbot der Einfuhr dieses Artikels fest.Allmälig begannen die Stände selber die Unhaltbarkeit solcher Gesetzeund ihre Nachtheile einzusehen. Um 1552 beantragten sie den Widerruverschiedener derartiger Beschränkungen, so auch vor allem jenes "Verbots,wurden jedoch von der Regierung mit dem Bescheide zurückgewie»en,dass sie Neuerungen nicht für statthaft erachte. Um 1555 wiederholtensie ihr Gesuch, darin sie nun auch um Aufhebung der alten Kleider-Ordnungen baten, indemdie Erfahrung gelehrt habe, wie erfolglos dieseVerfügungen seien und wie ihre durchgängige Vollziehung die Gewerbthätigkeit hart bedrücke. Demzufolge sollte es Jedem frei überlassenbleiben, sich nach eigenem Belieben zu kleiden. Doch sollten gewisseVerzierungen immer wieder verboten werden.

Als man diese Anträge stellte, war die inländische Betriebsam' elund zwar wesentlich mit auf Grund der seither verkehrten Maassnahmender Stände bereits bis zu einem Grade gesunken, dass ihr auch wounter günstigeren Verhältnissen, wenigstens für die nächste Zeit, kaumaufzuhelfen gewesen wäre. Von den Ständen war das Gesuch au=g®gangen, die vordem so bedeutende Ausfuhr nach Amerika zu verbieten-Zwar hatte man dem nicht durchaus nachgegeben, doch die AusWderart beschränkt, dass es den Fremden möglich wurde sich dieses sohöchst ergiebigen Handels völligst zu bemächtigen. So auch hattenden Vertrieb nach Aussen noch anderseitig begrenzt, dahingegenEinfuhr von dort wiederholentlich stark begünstigt. Da man selbst fertig^seidenen Stoffen vom Auslande her den Eingang nicht wehrte, warschon an sich bedrückte einheimische Seidenwirkerei noch mehr demfalle ausgesetzt worden. Der Leinwandhandel befand sich seit lnfast lediglich in den Händen von Fremden, vor allem der FranzosenNiederländer. Wesentlich nur die Wollfabriken erfreuten sich noch nwie vor einer besonderen Regsamkeit. Doch wollte auch dies nicht 'besagen, da der Bedarf an Wollenstoffen ein so ungemein grosserdass man daneben allein von Brügge , nächst zahlreich anderweitig®Waaren, für fünfmalhunderttauscnd Ducaten Tuch bezog. Vermutb >®^gehörte mit zu den wenigen wirklich neuen Erfindungen, die währedieser Zeit hier gemacht wurden, die eigentliche (Strumpf-) Stricke f ®^Sie kam zuvörderst vorzugsweise der männlichen BeinbekleidungGute. Man fertigte diese nun alsTricot und gab es so nachnach völlig auf sie aus einzelnen Theilen zusammenzunähen. .

Die männliche Kleidung vor allem bewahrte das Gepräge, wesie um den Beginn des Jahrhunderts gewonnen hatte, mit ziemZähigkeit. Vorerst noch wenig zu etwa durchgreifenderen AenderuHrgeneigt, behielt man die eben nicht allzu sehr gespannte Verenge °der den Oberkörper bedeckenden Gewänder auch unter ivaW.