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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

besondere von den öffentlichen Dirnen zur Erhöhung ihrer Reize einenoch weitere Durchbildung erfuhren. Auch die Handschuhe warenvon denen der Männer höchstens im Schmuck unterschieden. Zuweilenbildete man ihren Rand zackig oder in Art einer Krause. So auchwurden sie von den Damen, wie von den Männern, insgemein lediglichin der Hand gehalten (Fig. 211).

Der Mantel bewahrte im Allgemeinen die ihm anfänglich eigenenFormen. Bei weitem am gewöhnlichsten, so während der wärmerenJahreszeit und bei gutemWetter überhaupt, bedeckte man sich mit dermantilla. Sonst aber benützte man die altüblichen längeren Umhäng evon derberem Stoff und den männlichen Schultermänteln ähnliche knapp ereUmwürfe. Sie siimmtlich beliess man dem Zwecke nach ziemlich einfachiohne Schmuck, wählte dafür auch durchgängig wenig auffällige, dunkleFarben. Jene längeren Umhänge pflegte man zu mehrerem Schutz, '" |Cdiemantilla", über den Kopf zu werfen.

An Schmucksachen Hess man es niemals fehlen. Es zählten daz®

fortgesetzt vornämlich schwere Halsketten von künstlicher Fassung

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Edelsteinen, Ohrgehänge, Fingerringe, Knöpfchen zum GarmrenKleider gleichfalls zuweilen mit Steinen verziert, und nächst den schonerwähnten Gürteln, goldenen Kopfreifen u. a., Brustspangen, kostbareRosenkränze, Haarnadeln u. s. f. Auch der Fächer, seit lange bekannt, ward etwa nach den dreissiger Jahren zu einem wesentliche®Theil der weiblichen Gesammterscheinung, somit auch Hauptgegenst» 1des Schmucks. Den Handgriff fertigte man von Metall, von seltene®Holz oder Elfenbein, den Fächer an sich von farbiger Seide hauptsa ^lieh in Gestalt eines Fähnchens, indem man sie über ein Drahtge»spannte, oder von Federn zumeist in Form eines rund ausgebreitete®Schweifes.

Als Philipp II. (1556) den Thron bestieg, war der Hang zlIinFrachtaufwand bereits so allgemein tief gewurzelt, dass er jeder Be-schränkung spottete. Philipp selber mochte dies fühlen. Bereits * nGegenverordnung, die er 1563 aufstellte, gestattete er mindestensWeibern ihre Kleider wiederum mit Gold und Silber zu besetzen, Knopvon demselben Metall, sogar Perlen und Edelsteine, und alle ArtenSeidenzeugen, nur mit der Bedingung dass man dies nicht auf die Dio® erSchaft übertrage. Aber auch nicht einmal dies ward befolgt. Und e ^ eD ^sowenig fügte man sich den noch ferneren Verordnungen. AHcrd'®^war auch der Reichthum dessen man sich erfreuen konnte, bevor ihnfalschen Maassnahmen der Regierung völligst aufhoben, im Ga®ausserordentlich.Man rechnete, ohne zu übertreiben, dass seit derdeckung Amerikas bis zum Tode Philipps II. (1598) jährlich mehr ^zwanzig Millionen Pesos Duros einliefen, so viel als vor der Zeit viel® 1