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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.
sich fast ausschliesslich (Fig. 205-, Fig. 209). Das Haar ward thnn-lichst noch mehr gekürzt, der Kinnhart noch spitzer zugestutzt, derLippenbart nach oben gedreht. — Den Degen Hess sich der Spaniernicht nehmen. Gegen Ende des Jahrhunderts wurde es durchweg üblichihn kürzer geschnallt, mehr wagerecht oder vorn über („gestürzt“) 211tragen. Auch den Dolch gab er nicht auf, nur dass er diesen jetzthäufiger in Form des sogenannten „ Stilet statt hängend zu befestigen,einfach unter den Degengurt steckte. —
Die weibliche Kleidung machte ziemlich den gleichen Gang durch,wie die männliche. Ihr indessen kam zunächst noch die Vermählung
Fig. 211.
Philipps II. (1559) mit derTochter Heinrichs II. vonFrankreich , mit der jugend-lich schönen und heiteren El*~sabeth, zu Gute. Sie war da-heim keinen Zwang gewöhnt,vielmehr galt dort in Vereinmit ihrer Schwester Margarethefür die vornehme Damenwelt,namentlich auch hinsichtlich desPutzes, recht eigentlich als Ton-angeberin. In Spanien vcr 'mochte sie nicht diese Koliefortzuspielen. Mit dem hieram Hofe herrschenden strengbemessenen Ceremoniel " arsolche Freiheit unverträglich-Und dennoch musste wohl Phi~lipp selber mindestens Einige 5nachgeben. Die Form jedochsollte bewahrt bleiben. Da e»ihr mithin nicht vergönnt wardim Zuschnitt der Gewänder zuwechseln, suchte sie sich da-durch zu genügen, dass sie denSchmuck vermannichfachte unjedes Kleid, wenn auch noch. so kostbar, doch nur einnia
un egte. Ihr gestattete Philipp sogar zu ihrer Begegnung mit ihrerter (1565) Alles, was ihre Person betraf, nach eigenem Gefalieu
Leyde 1665 p.^ 96 ^ 6llIe de Brantöme - Memoires: Des Dames illustres-