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II. Das Kostüm des 16, Jahrhunderts.
nur mit einem Auge hervorblickend.“ Die älteren ehrsamen gestreng« 1Duenna’s machten es später zu ihrer Gewohnheit, um noch würdige rzu erscheinen, sich, auch ohne Bedürfnis, mit einer (Nasen-) Brille z uschmücken.
Dies Alles änderte sich in der Trauer. In diesem Punkte war nia»sehr streng. 1 „Die Trauerkleidung bestand zuerst in einem Rock vonschwarzer Serge; darüber eine Mantille von Leinwand, welche bis adie Knie herabhing. Den Kopf bedeckte ein weisser Schleier, der hinterwärts ziemlich tief herabfiel. Ueber diesen wurde ein weiter Mantel vonschwarzem Taffet gezogen, so lang, dass er hinten die Füsse verbarg»und darauf, so namentlich auf Reisen, ein grosser schwarzer Hut g ese tden man vermittelst seidener Bänder unter dem Kinne Zusammenbau •Auch die Männer trauerten in Schwarz und waren ebenfalls gehalt fDjedem Schmucke zu entsagen.
Gegen Ende des Jahrhunderts, mit der Herrschaft Philipp* 1(1598—1621), kamen einige, doch nur sehr wenig weitergreifende ^ euerungen auf, welche nun wiederum vorwiegend auf französischem Emnberuhten (s. unten). —
Franz I. (1515—1547) und Heinrich VIII. von England (15091547), beide, da sie den Thron bestiegen, jung, von stattlichem Aeusser^eitel und den Weibern besonders zugethan, waren dem PrachtauW 3 ^in hohem Grade ergeben. Franz I. namentlich, bei seiner nach aRichtungen hin reichen Begabung unter der glücklichen Regierung Ewigs XII. erwachsen, machte es sich mit zur Aufgabe das von “ ,es ^bereits beträchtlich erweiterte Hofwesen bis zum Glänzendsten zufalten. Heinrich blieb nicht zurück. Doch fehlte es ihm an jenen Psönlichen Eigenschaften, die vor allem geeignet sind die Gesammheranzuziehen, sie zu bewegen dem nachzustreben. Derselbe, bei vremehr wissenschaftlich als künstlerisch gebildet, wechselvoll, launischdespotisch, bezog Alles auf seine Person, auf den engsten Kreis sUmgebung; Franz, obschon auch ernsten Studien geneigt und ißWissenschaften erfahren, galt doch in überwiegendem Maasse dieals das eigentliche Mittel dem Dasein erst höheren Werth zu ve « e1 ^,.,Italien bot sich hierfür dar. Zahlreiche Künstler berief er von dort,züglich Maler und Bildhauer. Und wenngleich die vielen Prachtba ^welche auf seinen Befehl entstanden, auch in eigenthümlich reicher ^rativer Durchbildung wohl zumeist von heimischen, französischen
1 Vergl. C. Meiner’s Geschichte des weiblichen Geschlechts. Ban1800. III. S.' 52.