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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

ging, eben in solcher Beschränkung, erst auf die anderen Stände über»in Deutschland dagegen entsprang sie recht eigentlich aus dem »o >aus der jugendlich freieren Bürgerschaft und dem kriegslustigen Söldn erthum. Vornämlich den Söldnern oder Landsknechten konnte die knapP e >beengende Kleidung wohl am wenigsten Zusagen. Sie entsprach weihrem Kriegshandwerk, das eine möglichst ungehemmte Beweglichgeradezu forderte, noch ihrer Ungebundenheit, in welche sie sich hin eingelebt hatten. So aber waren es auch sie, welche zunächst diese r esprengten und das, wozu sie anfänglich das Bedürfnis veranlasste,einem Putze umwandelten. Auch spricht dafür insbesondere der GaD 0 >den dies im Allgemeinen nahm. Nächst der Jacke oder dem ^ alU ^galt es nunmehr vor allem dem Beinkleid, als dem noch zumeist^engenden Theil. Nicht lange jedoch, so wurde beides demselben rbildungsgesgtz unterworfen. 1

Gleichwie man die engen Ermcl da, wo sie die Gelenke bedecan der Schulter und der Armbiege zuerst öffnete, wurde nun auchknappanliegende lange Beinkleid zuerst vor den Knien ausgesclm ^oder geschlitzt (Fig. 234 a). Als dies einmal geschehen war, nahmkeinen Anstand mehr es, ausser an den Unterbeinlingon, auch ansonstigen beengenden Stellen, wie namentlich unter den Hüften mmden Schenkeln ganz demähnlich zu zerschneiden (Fig, 235)- jj

die langen Beinkleider unmittelbar auf dem Körper trug, gebot s0 ^ ]t ,die.Nothwendigkcit des Schutzes vor der Witterung, als auch der 0 teliehe Anstand, dass man die Schlitze mit Zeug unterlegte. ° c j,

hierin der bereits üblichen Ausstattungsweise der Ermel, und wähltedazu gemeiniglich einen leichten farbigen Stoff, der sich zur Aufbauseignete. Unter den Landsknechten allerdings, deren ungebundenes I ^sie wenig auf Anstand achten liess, fanden sich immer Einzelne,entweder nothgedrungen oder auch aus Grosstlmerei selbst theiNacktheit zu Schau stellten, indem sie die Aufschlitzungen nicht sczuweilen sogar den rechten oder linken Unterschenkel durch Herab* ^seiner Bedeckung bis auf die Schuhe hin entblössten. Im Ganzen J^.gwaren gerade sie es, welche jene Weise schon früh fast stutzet ^übertrieben. Bereits unter Maximilian I. (gest. 1519) war diesdem Grade gediehen, dass sieh mehrere seiner Hofleute veranlasstihm zu rathen, dagegen ernstlich einzuschreiten. Der Kaiser ull .dachte milder und erwiederte darauf, dass sie den Leuten „für * $

selig und kümmerlich Leben“ doch „ein wenig Freud und Ergot ,jg Cj

gönnen möchten.“ — Wohl gleichzeitig begann man die selb*

1 Vgl. die eingehende Betrachtung darüber bei J. Falke.Trachten- und Modenwelt. II. S. 30 ff.

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