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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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B. Geriith. Kunsthandwerk etc. im Allgem.; Metallarbeit (15001600). 843

des Jahrhunderts eine bedeutende Förderung erfuhr, 1 wurde von Gott-fried Box, einem Deutschen , im Jahre 1590 die erste Kupferplattenmühlean gclegt. 2

Die Zinngiesser blieben nicht zurück. Ihrem Betriebe ungemeingünstig war die unter allen Ständen, auch selbst Fürsten nicht ausge-nommen, andauernd steigende Verwendung von zinnernen Küchen- undTafelgeräthen zu gewöhnlicherem Gebrauche (S. 479; S. 440). Das hier-durch bei ihnen stets rege erhaltene Bestreben, es in Erfindung von neuenZierformen einander zuvor zu thun, veranlasste, dass sie fast sämmtlichefür Silber benützten Gestaltungen auf ihre Erzeugnisse übertrugen. Manl'unnte diesä faron dargent. Berühmt in derartigen Arbeiten warenin Frankreich Francois Briot gegen Ende des Jahrhunderts, und inDeutschland , wo der Betrieb seine höchste Durchbildung erreichte(S- 455), nächst Vielen schon sehr frühzeitig derKandelgiesser MartinHarsscr oder Harscher in Nürnberg 8 (14351523):Dieser Kandel-giesser hat einen solchen Fleiss fürgewandt, was ein jeder gemeinerDoldschmid von Silber gemacht hat, das hat er alsorein von Zinn zuWe gen gebracht. Er kunte das Zinn also leutern und mischen, dass esdem Englischen am Klang und Glanz gleich ward. Er macht nicht alleinHandel, Schüssel und Teller, sondern auch Leuchter, Becken, Giesskan-delj Hofbeeher, Magellein; weil aber sein Vatter ein PulfTermacher ge-west war, nahm er nach desselben Todt seinenFig. 322. Handel an. Als bestes Zinn galt das englische.

Es bildete einen Ilauptartikel des niederländischenWelthandels; Venedig bezog es direct.

Nicht minder wurde der Bronzeguss fortge-setzt mit Eifer betrieben. So zunächst in Italien ,wo man durch ihn nach wie vor nicht alleinselbständige Kunstwerke, sondern auch die verschie-densten Geräthschaften, als Vasen, Schüsseln, Käst-chen, Truhen, Fackelhalter, Kohlenbecken, Feuer-böcke u. dergl., und mancherlei zu baulichemSchmucke bestimmte decorative Werke, als Thür-flügel, Gitter, Candelaber, Laternen, Beschlägeu. s. w. bis zu Thürklopfern herab (Fig. 322),mit ungemeinem Geschmack beschaffte. In \ er-fertigung derartiger Geräthe, hauptsächlich von

_°ü- Beckmann. Anleitung zur Technologie etc. 6te Aufl. S. 598 ffa 7:' ®usch. Handbuch der Erfindungen etc. 4te Aufl. S. 471.

, P°ü; Neudörffers Nachrichten S. 51.sati Ce ; ' T Ku S ler - Geschichte der Baukunst IV. (J. Burckhardt . Die Renais-m Italien) S. 246 ff.