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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

land und, von Italien ausgehend, in Frankreich , besonders inParis und Rouen . —

Schliesslich gewannen die Tafel bi Jder , grössere gläserne "Wand*spiegei und (Räder-) Uhren als Zimmergerüthe ebenfalls erst seit demBeginn dieses Zeitraums mehrere Bedeutung. Bei den Gemälden undWandspiegeln spielten zugleich die Umfassungen, als wesentlicheSchmucktheile, eine immer ansehnlichere Rolle. Der Ausbildung solcherUhrwerke kam.die vielseitige Verfertigung von derartigen Kunstarbei-ten für öffentliche Zwecke zu statten, indem man die hierbei gemachtenErfahrungen im Kleinen zweckgemäss anwandte (S. 841; vergl. S. 459).So entstanden nun bis zur Mitte des Jahrhunderts vorzugsweise inParis, Blois, Lyon, Rouen, Augsburg und Nürnberg zahlreichKünstler, welche sich in dem Fache auszeichneten. 1 Die einfachsten die-ser Räderuhren erhielten mindestens ein Schlagwerk, nicht selten auchschon einen Wecker (den Pendel kannte man noch nicht), die kostbarerenmehrentheils eine so künstliche Einrichtung, dass sie, oft mit Hinz»'fugung von figürlichen Spielereien, nächst der Tages- und Nachtstunde,Jahr, Monat, Tag, Kirchenfesfe, den Lauf der Gestirne u. A. anzeigten.Als um 1550 Christian 111. von Dänemark dem (russischen ) Gross-fürsten nach Moskau eine solche Uhr übersandte, schickte dieser sicWieder zurück, weil sie ihm als ein Werk erschien, das nicht auf natür-lichem Wege entstanden oder in welchem doch jedenfalls etwas Unbe-greifliches, Lebendiges eingeschlossen sei.’

Unter der Herrschaft der „germanischen“ Darstellungsform als ausder Tiefe des Christenthums hervorgegangen und sich im Dienste derKiiche entfaltend, wurde die Gestaltung des Gcräths durch das kirch'!iche Geräth bestimmt (S. 415). Mit dem Eintreten der Renaissanceals einer „bewussten“ Wiederbelebung der antiken, vorchristlichen l'° rmen, änderte sich solches Verhalten. Sie, da ihrem Wesen nach gewisse 1 'massen in Widerspruch mit der christlichen Anschauung zu kirchliche» 1Schmucke wenig geeignet, bildete sich von vornherein im Dienste weitlieber Zwecke aus. Und wie sie auch erst aus diesem Dienste den Sic?über jene Form davon trug und erst hiernach, mit in Folge der Vcrwcltlichung der Kirche, für deren Schmuck in Anwendung kam, wurdenunmehr, umgekehrt, für die Gestaltung des kirchlichen Geräths dasweltliche Geräth maassgebend. Ueberdies aber hatte die Kirche rück-

1 Vergl. G. Barfuss. Geschichte der Uhrmacherkunst. Weimar 1837 ; bes-ierre Dubois. Description et Iconographie des Instruments hornires du Xsi c e, precede d’un abrigb historique de l’horlogerio au moyen-Agc et p enw Renaissance etc. avec 20 planch. Paris 1858; dazu die Namen berühmt

rmacher bei F. Trautmann . Kunst und Kunstgewerbe etc. S. 380 ff.

B. r. IIo 11berg. Dänische Reichshistorie. 2te Aufl. II. S. 382.