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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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860
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1860

II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

bezogen; auf einer kunstreichen Etagere mit Vergoldung und Ultramar 1 ”befanden sich herrliche Gefässe aus Alabaster, Porphyr, Serpentin linvielen anderen kostbaren Stoffen. Eingsum (längs den Wänden) stan \^ rviele reichgeschnitzte Truhen, insgesammt von hohem Werth. I”Mitte war ein kleiner Tisch, der schönste, den man sehen konnte, mgrünem Sammet überdeckt; darauf lag immer eine Laute oder zanebst Musikbüchern und einigen reichverzierten kleinen Bänden, we ‘italienische und lateinische Dichter enthielten.“ Gegen Ende des Jahunderts, bereits- um 1580, hatten in Venedig zahllose Gebäude mZimmern und übrigen Eäumen (künstliche) Holzdecken mit Vergoldungund gemalten Darstellungen; fast überall waren die Wände bezogengewirkten Teppichen, Seidenzeug, vergoldetem Leder und mit reic'Holzbekleidung; in den Wohnzimmern zierliche Bettstellen und Tru 1mit Vergoldung und Bemalung; die Buffets (oder Tresors) mit Geschirrenohne Zahl von Silber, Faience, Majolica, von Zinn und Erz mit eingelegter (oder eingeschmolzner) Arbeit; in den Sälen der Grossen die Waffe”gestehe mit Schilden und Fahnen der Vorfahren, die zu Land oder ^ erbefehligt hatten. Selbst die Geringsten besassen Truhen und Bettstevon Nussbaumholz, grüne Bezüge, Fussteppiche, Zinn -, Kupferge sC *" rru. dgl. m. Demähnlich, wenn auch nicht in solcher Verbreitung) ,nFlorenz und den übrigen italienischen Grossstädten.

In Spanien und Frankreich blieb nun zwar, wie der Umschwungim Bauwesen, auch ein derartiger Prachtaufwand mindestens bis g c ^ ndie Mitte des Jahrhunderts fast einzig auf die höchsten Ständeschränkt, erhielt jedoch innerhalb ihres Kreises von vornherein zierndas gleiche Gepräge. Bis zu welchem Grade dies die vornehmen Sp anier in ihrem Hochmuth nach Aussen zu glänzen sogar übertriebe”!vermag allein schon darzuthun, dass zu Ende des Jahrhunderts Iliaasich nicht für bemittelt hielt, wenn man nicht etwa achthundert Dut zenTeller und zweihundert Schüsseln von edlem Metalle aufbringen konnte)und dass einzelne Haushaltungen bis zu zwölfhundert Dutzend Tell ern _und bis gegen tausend Schüsseln besassen. 1 Allerdings mochte dabe*wohl häutig versilbertes oder vergoldetes, getriebenes Kupfer mit 11,1 tcIlaufen! Zudem aber bewegte sich sowohl in Spanien als auch 11Frankreich , hier vorzüglich gleich nach dem Vorgänge Franz !■Einrichtung seiner zumeist neu erbauten Schlösser, die InnenausstattuUcüberhaupt, eben ganz ähnlich wie in Italien , ausser in den mannigfach»^kostbaren Geschirren von Gold und Silber, von Glas, Majolica, Faic 11 ^(„Faience d’Oiron“ und „Palissy “), von seltnen Steinarten u. s. f-i 1zahlreichen kunstvoll geschnitzten Möbeln theils mit Vergoldung 11,1

1 A. Berlepsch. Chronik der Gold- und Silberschmiedekuilst S. 1IL