B. Geräth. Häusliche Einrichtung im Allgem. (1500—1600). 865
reichen Häusern wie ein anderes Prunkgeräthe aufgestellt gesehen.“»Die Gefässe, auf welche man am meisten Kunst und Pracht ver-wendet, sind die Ess- und Trinkgeschirre, deren sich die reichen Frauen•n ihren Wochen für sich bedienen, oder in welchen dem neugebornenK'nde seine Bedürfnisse gereicht werden; sie sind immer von stark ver-goldetem Silber, und meistens von getriebener Arbeit, welche biblischebeschichten vorstellt.“ — „So einfach und haushälterisch die Speisenlrn ^glichen Leben sind, so einfach ist auch das Tischgeräthe. Die°nel sind durchgängig von Holz oder Horn, nur bei reichen Personen,le des Hausvaters und der Hausmutter, mit ein wenig Silber verziert.“»Von gleichem Gehalt sind auch die Tellern der Gemeinen, die dereichen von Zinn, wenigstens des Hausherrn und t der Hausfrau ihre.le Schüsseln sind von verzinntem Kupfer, Zinn oder gebrannter Erde;auch die Trinkgefässe. Glas gebraucht man nicht zum täglichen Ge-suche, deshalb sind die Flaschen von hartgebranntem Thon, die Becher°‘ Z( -‘rn oder von Zinn.“ „Uebcrall wird auf diesen Vorzug gehalten,! ass des Hausvaters und seiner Frau Tafelgeräthe sich in etwas von denbbiigei, ihre unterscheide, es mag auch sonst noch so schlecht sein.“ —»Das Tractament (bei festlichen Gastgeboten) ist von dem italienischen'»schieden. Man kennt z. B. die ausgestopften versilberten und ver-goldeten Vögel nicht, noch die in Pasteten eingeschlossenen versilbertenUl >d vergoldeten Fische, welche als Schauessen nur das Aug belusti-§ en sollen, und viel theurer sind, als die besten Speisen. Was aufge-* ra gon wird, muss essbar sein.“
Wie gar Vielerlei man für einen auch nur mittleren Hausstand alsOotlnvendig erachtete, wurde schliesslich von Hans Sachs in seinem um
1544
erschienenen Gedichte „ Der ganze Haussrat bey dreyhundert
Stücken, so ungefehrlich in ein jedes Hauss gehört “ möglichst folgerecht^gezählt:
&V" <Ue Stuben gedenk
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esskalte
Han<U~' te ' unt * e ‘ M Kandelbrett,pf «rehel, Tischtuch, Schüssolring,
Krause!' 7 ’, Tellei - KÜ P ferlir ^
Kuttr iff Aen gster und ein Bierglass,Bin ir-, ^ rac hter und ein Salzfass,Kin ]j-IKessel, Kandel und Flaschen,Ke ar sten, Gläser mit zu waschen,ij c l, a . ei ’ Butzscher und Kerzen viel,Bin r •’ K ar tcn, Würfel, ein Bretspiel,Ein S !! 8en<le Dhr, Schirm und Spiegel,Üi e [j., r ®’hzeug, Tinten, Papir und Sigel,6 u,, d andre Bücher mehre ""'' Ko, <ümkunde. IU.
Zu Kurtzweil und sittlicher Lehr.Darnach in die Kuchen verfügKessel, Pfannen, Häfen und Krüg,Drifuss, Bratspiess gross und klein,
Ein Bost und Bräter muss da seyn,
Ein Wurtzbuchs und ein Essigfass,Mörser, Stempffel, auch über dasEin Laugenfass, Laugenhäfen, zwoStützen,
Zu Fewersnot ein messen Sprützen,
Ein Fiachbret und ein Ribeisen,Schüsselkorb, Sturtze, Spiknadel preisen,Ein Hakbrett, Hukmesser darzu,Salzfass, Bratpfann, Senffschüssel zwu,Ein Fülltrichter, ein Durchschlug eng,55