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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

schränkte sich dies fortan mehr und mehr auf Arbeiten vonSteingut,wurde somit fast lediglich Sache der eigentlichen (Kunst-) Töpfer (S. 850).Zu den bekannten Formen der Art, den oft wunderlich ein- und ausge-bauchten runden und eckigen Gelassen mit seltsam gestalteten Doppel'henkeln, einem oder mehreren Ausgüssen, die theils sich unverändert er-hielten, theils nur im Zierrath wechselten, kamen jetzt, nächst mancherleianderen, unterschiedliche Geschirre, welche ihrer Gestaltung nach geradezuden Gegensatz zur Kannen- und Vasenform bildeten. Die auffälligste 11darunter, die aber eben zumeist beliebt wurden, bestanden aus einerringförmigen Röhre oder aus zwei derartigen miteinander verbundenenRöhren, gemeiniglich mit Fuss und Hals nebst einem Henkel oderzweien, auch nicht selten überdies mit einer Aussgussröhre versehen, undeinem charnierbeweglichen, metallnen Deckel ausgestattet (Fig. 326 a. c)-

Fig. 320.

Nicht minder beliebt war die Tonnenform mit allerlei seltsamen Zuthatenjebenso die Durchbildung von aufrecht kauernden Figuren, oft Jan 113 'artig zusammengefügt, die Nachahmung von einzelnen Gebrauchgeg en 'ständen u. A. m. Bei allendem pflegte man auch diese Geschirre mltbildnerischem Zierrath zu bedecken, und falls man sie nicht (grau-) weis«beliess oder nur ein-, auch zweitönig färbte, im Verlauf der zweite«Hälfte des Jahrhunderts stellenweise oder gänzlich buntfarbig zUglasiren.

Als gewissermaassen nur halb zu den Giessgeschirren zählend,setzten sich die zugleich zum Giessen und Trinken benutzten & e 'asse fort. Diese Gefässe, bisher überall im gewöhnlicheren Verkehrweit ü erwiegend in Gebrauch, bildeten sich gegenüber den eige n ^ c ^ eniess und Trinkgeschirren zu einer gleichsam eigenen Klasse, zu der