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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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B. Geräth. Hausgerätli; Trinkgeschirre (15001600).

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Gelage, wo Herrn und Damen einander zutranken aus Gefässen, welchedie Form von männlichen und weiblichen Geschlechtsteilen hatten. Imebrigen erzählt Brantome 1 aus dem Hofleben Heinrichs III., dasseinnnz an dessen Hofe zur grössten Zierde seines Schenktisches einensdbernen Pokal machte, auf welchem nicht nur die berüchtigten Figurenes Pietro Aretino , sondern auch die verschiednen Arten der Begattungp 0ri allerlei Thieren mit grosser Kunst eingegraben waren, und dass derr <nz, so oft er die Damen des Hofes bei sich zu Gaste sah, den Be-'enten streng befahl keiner Dame den Wein anders als in diesem Pokalz h reichen. Am meisten hierbei ergötzte mau sich an der Verlegenheiter dem Staunen junger und unschuldiger Mädchen, die neu an den HofS®kommen waren. Viele gewöhnten sich an den Pokal und versuchtenbald das, was sie an demselben kennen gelernt. Zu den vermittelst®* n es Uhrwerks sich selber fortbewegenden Bechern, kamen Becher oderUtn pen, die sich durch eine Vorrichtung, wenn man auf eine Federc kte, ansehnlich vergrösserten. Ein Pokal, den Kaiser Ferdinand dem^ an Soliman übersandte, aus Gold mit Edelsteinen besetzt, so schwerUln 'Im zu handhaben zwei Männer erforderlich waren, enthielt einer i die ausser den Stunden den Wechsel des Monds und der Sonne anzeigte.Von den seltsamen Formen gelangten, als Metallarbeit, die vonder C ^ t6n w ' e hauptsächlich der Tannen- oder Pinienzapfen oder auchn ® r Weintraube, und, in noch anderweitigen Stoffen, die von Köpfen,l en ei ^bch aber die von Hörnern mit reichen Beschlägen und von stel-" eis aufgetriebnem Astwerk zu vorwiegender Geltung. Ueberhaupt

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liebte man, neben einer geschmackreichen Zierlichkeit inder Grundform und Ausstattung, vor allem zu gewöhn-licherem Gebrauche, das Feste, Derbe, Knorrige, und ver-sah demnach eben die zu täglichem Zwecke bestimmtenGefasse gern mit Erhabenheiten und Buckeln, indem solchenach dem Stoff aus dem Ganzen herausgearbeitet, auf-gelöthet oder eingesetzt, und je für sich oder in Ver-bindung als Ornament behandelt wurden. Denn auchdie alltäglichen Trinkgeschirre der begüterten Stände, wenngleich zumeist nur von Zinn, Kupfer, Holz oder gebrannterErde, entbehrten doch selten reicheren Schmucks. Ainvast schönes Trinkgeschirr, einen Tannenzapfen vor-stellend, fertigte unter Anderen im Jahre 1560 der Gold-schmied Albrecht Kraus zu München (vergl. Fig. 229).Nächstdem wurden sehr beliebt die Becher in Form vonMönchen, Nonnen und reichgekleideten weltlichen Damen,

Mi

emoirs contenunts les vies des danies galantes I.

S. 44 ft'.