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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.
l^ellini (seit 1532) für Clemens VII. fertigte, darüber er selber berichtet:'„Das Model war von IIolz und Wachs. Statt des Schafts hatte ich dreirunde iignren, Glauben, Hoffnung und Liebe (Barmherzigkeit) unter derKuppe angebracht. Sie standen auf einem Untersatz (Fuss), auf welchemhalberhoben die Geburt, die Auferstehung Christi und die KreuzigungI etri, wie man mir befohlen hatte, zu sehen war.“ Die Kuppe oderTiinkschale gestaltete sich durchgängiger zu tulpenartig geschwungenerAusladung. — Hie- übrigen Gefässe, zumeist eine noch zwanglosere Be-handlung gestattend, entfalteten unter demselben Gesetz, tlieils selbstnicht ohne Beeinträchtigung ihrer zweckgemässeren Grundformen, denhöchsten decorativen Wechsel. Als Dem vor allem geeignet, wurden dieGiessgefässe oder Kannen, die Messkännchen u. s. w., in den viellach-sten I j olilirungcn mit eingegrabenen, erhobenen und angesezten Einzel-zierden, namentlich auch deren Ausguss und Henkel in den verschieden-sten Gestaltungen zum Ganzen stimmend, oft ungemein sinnig durch-gebildet; nächstdem die mancherlei Büchsen und Kapseln zur Auf-bewahrung der Hostien, des heiligen Salböls, des Weihrauchs u- A-, j eihren Bedingnissen gemäss, zu ähnlichen Zierformen umgewandelt, wobei,da sie fast mit alleiniger Ausnahme der kleinen Weih- oder Spreng-eimer, der Henkel entbehrten, Deckel mul Fuss ihre Bollen als haupt-sächliche Schmucktheile fortspielten. — Bei den Un t ers a tzpl a tt eu,Schüsseln und Becken blieb der Schmuck allerdings ■wesentlich a"fdie Umrandung verwiesen. Doch gewann diese gelegentlich, in Erweite-rung desselben, an Breite, während mm auch ihr Umriss baldiger in b e "wegten, geschwungenen Linien behandelt ward. Ueberdies nahmen dieSchüsseln und Becken (vornämlich letztere) mchrenthcils an Umfangund liefe zu, was denn veranlasste, sie ringsum schwungvoll zu P r0 ^liren und, wenigstens in einzelnen Fällen, mit kurzen Füssen zu versehen-— Da sich der neue Baustyl, bei seiner mehr in die Breite gehendenMassengliederung zu einer Uebertragung im Ganzen (als Nachbildungkleiner Baulichkeiten) auf die Gefässform als solche kaum anwendenliess, verloren die Bäucherfässer und Monstranzen das für s ’ eunter der Herrschaft der germanischen Form vorzüglich beliebte, duic 1gängig-bauliche Gepräge (S. 419 ff.; S. 462). Die Bäucherfässerschlossen sich sowohl in Grundgestalt als Verzierung fast lediglich de»ihrem Zwecke zumeist entsprechenden Gefüssformen, den von aus- ul)eingebauehten Kesseln, Eimern, Ampeln u. dergl, mit Ilinzufügung %0l |küssen und zum Ganzen passenden Deckeln, an, dem die (Schwe« 1 #'Ketten nebst Handgriff in ihrer Durchbildung thunlichst folgten- 1)1
Monstranzen insbesondere erfuhren eine vollständige Umvi
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1 Benvenuto Cetlini. Uebereetzt von Götlie. Buch I. Cap. 1'