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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

als völlig neu die serpent oderSchlange 4, auf. Diese, von EdmeGuillaume, Chorlierrn zu Auxerre um 1590 erfunden, war ein sich wmehrfachen Schlangenwindungen erweiterndes Horn von gewaltig durch-schneidendem Ton, blieb jedoch wesentlich auf die Kirchenmusik undauch in dieser auf nur einzelne bestimmte Ausdrucksweisen verwiesen-Als Posaunenmacher schon früh weithin berühmt war derStadttrom-peter Hanns Meuschel (gest. 1533) in Nürnberg . Denn wie seinZeitgenosse 1 berichtetwas man seiner Arbeit mit Posaunen machenvon ihm in mancher Stadt hält, das wissen alle die, so an den Könighund Fürstlichen Höffen mit Posaunen umgehen, dann er nicht allein die-selben zum Besten zu machen geübt, sondern auch dieselben zu blassen,zu dempffen und zu stimmen, auch mit allerley Lieblichkeit ins Gesangzu richten, künstlich gewest ist. Papst Leo X. , dem er silberne Posau-nen gemacht hat, liess ihn seiner Kunst halben gen Rom fordern unhöret ihm gerne, ward auch von den Wahlen (Welschen) hochgelobt unvon ermelden Papst mit einem goldnen Stück und gnädigster Bezahlungwiederum gen Nürnberg abgefertigt."

Die Schlaginstrumente hatten eine Durchbildung erreicht, sodass sich etwaige Verbesserungen an ihnen kaum noch augenfällig 211äussern vermochten. Für die mancherlei Arten von Klapp hölzern,Castagnetten u. dergh, als auch für Triangel , Schlagglöckchen,metallne (Hand-) Becken u. a., waren die zweckgemässen Formen seitlange gefunden und ständig überliefert worden. Aber auch die unter-schiedlichen Arten von Trommeln, von der umfangreichen Pauke under grossen, nunmehr sogenannten Schweizertrommel abwärts, hjäzu den kleinen, ein- und zweischlägeligen Trommeln, den H a,vtrommeln undTambourins , gestatteten kaum mehr eine weiter eVermannigfachung, als höchstens etwa insofern, dass man den S c h akörper nach bestimmteren Regeln bemaass, demnach vereinzelt ganz odertheilweis von Metallblech fertigte und auch, in Uebereinstimmung dann ,die Weise der Spannung regelte. Ueberdies blieb es durchweg gebräulieh die Trommeln, vor allem die grösseren, mit farbigen gesticktenhängen, Quasten u. dergl. auszustatten.

Anders die Saiteninstrumente, die recht eigentlich erst von

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.... .... vorwiegender Bedeutung gelangen sollten. Freilich wohl ^ ia,lC * e e j nes sich gerade bei ihnen, wie es eben der Sache nach nicht anderskonnte, bei weitem mehr um eine (systematisch-) musikalischeedelung, als um eine etwa durchgreifende Wandlung der Formen, n ^^cimussten doch auch diese, wenigstens im Einzelnen dem folgen,

sich denn zugleich, gegenüber der nun höheren Entfaltung der

1 J. Neudörffers Nachrichten u. s. w. S. 53.