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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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B. Geräth. Transportmittel; Fuhrwerke u. s. w. (15001600). 917

w ® nn sie über Land oder zu Hofe reisten, ihre Frauen mit auf den Sat-e nahmen, und gar nichts seitens, dass selbst Prinzessinnen zu Pferdereisten. Auch soll ein bedeckter Wagen, welchen Herzog Johann beiseiner Durchreise (um 1560) mit sich führte, der erste der Art gewesensem, welcher hier gesehen ward. In Dänemark 1 ging auch noch zu desronisten Hvitfelds Zeiten (nach 1600) der Reichshofmeister zu Fuss,u nd fuhr i n Kutschen lediglich, was zum königlichen Hause gehörte;paarend in England eigentliche Kutschen (coaches) , an Stelle derarrenähnlichenwhirli-cotes erst um 1580, von Deutschland aus, ein-gefahrt wurden. Aber auch selbst in Frankreich blieb wenigstense r ständige Gebrauch von Kutschen, noch geraume Zeit ein äusserst be-rankter. Ja, darf man der Nachricht trauen, so gab es in Paris um°*0, zu täglicher Benützung nur zwei, eine für Raymond von Laral,

T seiner Beleibtheit wegen nicht wohl reiten konnte, die andere füriana 'von Poitiers , Herzogin von Valentinois. Im Ganzen indessenSnff die Verwendung von Luxus-Kutschen vornämlich Seitens der Frauen,0c h rascher um sich. Wenigstens stellte bereits um 1565 das ParlamentVotl Paris an Karl IX. das Gesuch ihren Gebrauch, einzig ausgenommenReise, zu verbieten, obschon erfoglos. Eigentlich ständige Kutschene L wozu es überdies der Genehmigung des Königs bedurfte, zähltenailc h ferner zu den Seltenheiten. Und noch 1580 galt es als etwas Be-® n deres, dass der Parlaments-Präsident Auguste de Thou für seine Ge-^ hn eine eigene Kutsche anschaffte, wogegen allerdings auch nochKrich IV. selbst für sich und die Königin nur einen Wagen besass.Spanien ward die Benutzung der Kutschen unter Philipp II - nurdg* 1611 , die mit vier eigenen Pferden fahren konnten, und jeder

r dies nicht vermochte, gehalten auf Maulthieren zu reiten.

langsam nun auch der Gebrauch der Kutschen im Allgemeinenblieb es nichts desto weniger unter den herrschenden Ständenlc h sich ihrer vereinzelt bei festlichen Vorkommnissen in grösserernz ahl zu bedienen, und sie eben in diesen Fällen möglichst reich aus-8 atten, was denn doch auch wiederum auf die Austattung der Lu-^ ls A\ äg en überhaupt zurückwirkte. Nicht geringe Bewunderung erregteauf dem vom Kurfürsten von Brandenburg im Jahre 1509 zu^Ppin veranstalteten Turnier die Kurfürstin in einem ganz vergoldetena Sen und die Herzogin von Meklenburg in einer mit rothem Sammetj^.^^f^lagenen Kutsche, gefolgtvon ihrem weiblichen Hofstaat in zwölfarmesin (Tuch) ausgezierten Wägen aufzogen. Bei der Krönungzu Pbeims (um 1560) erschien die verwittwete Herzogin vonnn 9 enin einer sehr trefflichen carosse von vier weissen türkischen

v. Holberg . Dänische ReichshiBtorie. 2 . Auflage. I. S. 797.