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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.
Pferden gezogen, breit (ä front) gespannt, nach Art der Triumphwagen,sie selber an der Thiir reich geschmückt.“ Und hei der KaiserkrönimgMaximilians II. (um 1562) zeigte sich der Kurfürst von Köln mitnicht weniger denn vierzehn Kutschwagen. Als sich Markgraf Jo-hann Sigismund von Brandenburg im Jahre 1594 nach Warschau be-gab, um der polnischen Krone zu huldigen, führte er eine Gefolgschaftvon sech sun d dreissig Kutschen mit sich, und beim Einzuge des Kar-1 dinals Dietrichstein in Wien um 1611 kamen ihm vierzig Kutschenentgegen. — Als ausnehmende Besonderheit galt es, dass die Gemah-lin des Kaisers Mathias ihren Vermählungseinzug in Wien (um 1611)in einem mit wohlriechendem Leder beschlagenen Wagen gehalten habe,wogegen jedoch bereits im Jahre 1568 die Herzogin JRenata von Loth-ringen bei ihrer Vermählung in so überaus reich geschmückter Kutscheaufzog, dass sich der Pritschenmeister Heinrich Wirre in den vonihm zu dieser Feier verfassten, auf sechsundfünfzig Folioblättern (!) g e 'druckten Hochzeitsgedicht 1 gedrungen fühlte, auch dessen eingehendzu gedenken. An diesem Wagen hatten „die Meister, die ihn gemacht(u. s. w.), ihre Kunst schön probirt,“ sowohl der „Wagner,“ als auchder „Bildschnitzer, Schmidt, Maler, Kiemer, Goldschmidt, Schneider, undauch andere Handwerker mehr:“
„Kun zeig’ ich an zu dieser Frist,Wie lustig er gezieret ist:
Vier Löwen war’n schön übergüld’t,In’n Tatzen jeder hatt’ ein Schild,
Die zween, die da stunden hervor’nDas Bayrische Wappen auserkohr’n:Künstlich gemahlet that ich findenDie Löwen, die da stunden hinten.
Der Wagen ordentlich und fein;Inwendig rother Charmosein. ,
Die Kissen mit rothem Sammt gemachIch hab sie genommen fleissig in 4-cn •
Sechs schöner Gaul’,die war’n schön weis®’So lustig g’ziert, dass ich sie preis® • iVon rothem Sammet, Siehlen und Strick >Es war ein’ Lust, wer es anblick •
In ihren Schilden war geziertEin Wappen, wie’s Lothringen führt;Sie hätten mich gar bald erschreckt.Mit einem güldnen Stück war g’deckt
Mit goldnen Spangen beschlagenAuch goldnen Fransen soll ich, sa ? en 'Zwei Fahrknecht’ waren schön bekleid >Ganz rothen Sammet ha’n sie trait.
. Um 1599 erschien der Marschall Francois de Bassompierre zU j^in einer Kutsche mit Glasfenstern, welche er aus Italien mitgebra— Ein solcher Aufwand ging dann schliesslich auch auf die scan ^ I y„gvischen Länder über. Der Wagen, in welchem bei der KiouKarls IX. von Schweden (um 1604) die Königin fuhr, war mit sechsbar geschmückten Pferden bespannt, ungemein reich verziert, un ^ f 1 ( j e r(als Stützen der Bedachung) acht silberne, vergoldete Säulen. ^Decke ruhte ein Löwe von massivem Silber, vergoldet; ebenso au