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924 II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.
von etwaigen Versuchen, immerhin zu seltenen Ausnahmen, indem eseben nur da geschah, wo Mangel an Zeit oder Geld die Beschaffung re.gelrechter, metallner Geschütze nicht wohl gestattete. So unter andeienbedienten sich h ölzerner Kanonen die aufständigen Bauern um 1525)welche ihnen der auch als Wagenbauer geschickte Zimmermann GeorgWehe»’in Nürnberg (S. 920) gearbeitet hatte. Derartige Geschützebestanden indessen keineswegs lediglich von Holz, sondern aus einemhölzernen Rohr, wozu man am liebsten Rüstern wählte, dicht umfasstmit starken Gebänden, Reifen und Friesen von Metall; Kammer und Boden eingeschraubt.
Schon bald nach dem Ableben Maximilians I. (1519) bereitete siebdurch Karl V. angeregt, ein durchgreifender Umschwung vor. Bisher hattees fast einzig einer nur erfahrungsgemässen Verbesserung der Gesammtgestalt ung der Geschütze zu mehrerer Bewegbarkeit und leichterer Hanhabung vorzüglich im Felde gegolten. Von nun an begann sich audiesem Gegenstände die Wissenschaft zuzuwenden, zu versuchen ihn theorethisch nach mathematischen Grundsätzen fortzubilden und fester zu 1geln. Den Hauptanstoss dazu gab (seit 1537) Nicolo Tartaglia v ° nBrescia (gest. 1575). Soldat und Mathematiker, trug er vor allem zurVervollkommnung des Belagerungsgeschützes bei und legte dadurch zUgleich den Grund zu einem neuen Belagerungssystem. Neben ihm hemühte sich Vanuccio Birringuccio, welcher, gleichfalls Soldat, das e lKwirklich fördernde Werk über „die Kunst Pulver und Kanonen za f® 1tigen“ im Jahre 1540 in Venedig veröffentlichte. Zu dem ward etn^in den dreissiger Jahren das „Grundbrett“ und der „Kaliberstaerfunden, letzterer auch schon um 1540 durch Georg HartmannNürnberg zu dem Durchmesser der steinernen, eisernen und blem rKugeln nach Nürnberger Maas eingetheilt. — Eine der nächsten ^war, dass die ungeheuerlichen Geschütze, die kaum zu bewegenden D 01nerbüchsen aus dem Kriegsgebrauch mehr und mehr verschwanden, sch 1lieh überhaupt nur noch ausnahmsweise, aus Liebhaberei und als Eprunkstücke angeschafft wurden. Mit zu solchen Ausnahmen, die hi g
die neuere Zeit statt hatten, 1 zählte eine „Feldschlange,“ „die
de Nancy, “ welche Herzog Karl 111. von Lothringen um 1598 giessenSie war 21 Fuss 11 */* Zoll lang und schoss 48 Pfund Eisen. ^ ül ^Türken bedienten sich solcher Ungethüme, die im Uebrigen zu
1 So liess noch König Friedrich I. von Preussen um 1704 eine se r
„Asia“ in Berlin giessen, die 100 Pfund Eisen schoss, 8,85 Zoll Durchatte, 341 Centner wog und mit allem Zubehör 14,641 Thaler kostete, e j n eFriedrich 11 . um 1743 umgiessen liess. Und Peter 1 . von Russland ®® nS(J j,enKanone von solchem Umfange haben giessen lassen, dass darin zweiKarten spielen konnten, welche sich jedoch unbrauchbar erwies.