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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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925
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B. Geräth. KriegsgeriiHi; Geschütze u. s. w. (15003600). 925

reiche Verzierung erhielten, noch bis über den Schluss des Jahrhunderts,fortan unterschied man das Geschütz im Allgemeinen nach der Schwereder Kugeln immer entschiedener in Belagerungsgeschütz, Feld-geschütz und Wurfgeschütz. Tartaglia vervielfältigte die Unter-Sc hiede ausserdem nach Länge, Kaliber u. s. w. bis zu sechzehn Glie-derungen, selbst noch mit Ausschluss derBombarden oderSteinbüch-Setl i von denen die grösseren bei zehn Fuss Länge und 8900 PfundMetall-Inhalt, eine steinerne Kugel von 250 Pfund schossen.

Der Gebrauch den einzelnenStücken ausser ihren Bestimmungs-narn en irgend einen Beinamen zu geben, setzte sich unter Anhäufung derVerschiedensten Bezeichnungen fort, wie solche gerade der Zufall, der Aber-glaube und derbe Landsknechtswitz schuf. Da gab es und erstandene,ln »Eulen, Falken, Nachtigallen, Einhörner, Löwen, Drachen, Basilis-_ en i Greifen, Schlangen, Fischerinnen, Pfeiffer, Singerinnen, Aufwecker,hohschneider u. a. m. Unter den fünfzehnhundert Geschützen,welcheCr Kurfürst August von Sachsen in seinem um 1559 begründeten Zeug-aus aufstellte, befanden sich als namentlich ausgezeichnet:DieRauten-fänze (zwei Doppelkarthaunen). DieMohrenköpfe, derHöllenhund,RanzigCrocodille, derScheerenteufel, derTod, dieSachsenlän-orin, derfliegende Feind, diezwölf Ordensbrüder, diezwölf himm-^ach en Zeichen, ,diezwei Gebote,Romulus und Remus (zwei^orser), zwölfGrünspechte u. v. a. Als um 1535 Karl V. zu seinemge gegen Tunis in Malaga zwölf Kanonen giessen liess, nannte manlese , zugleich in Hinblick auf die Ungläubigkeit des Feindes, diezwölfPostel. Sie, je 18 Kaliber lang, 45 Pfund Eisen schiessend und 70 Cent-s cnwer, dienten lange Zeit für alle anzufertigenden Geschütze nicht

v 1 ' 1 in Spanien und den Niederlanden , vielmehr überhaupt als Vor-"Uder ,

j'Ziemlich gleichzeitig mit dem Beginn wissenschaftlicherer Behand-

^1 n g Ward in Venedig eine Artillerieschule gegründet. Karl V. folgte

(j 111 liac h, und errichtete eine solche in Spanien und Italien . Ausser-

f w ar dieser Fürst der Erste, welcher neben dem ständigen Be-

s aber des gesammten Geschützwesens, demZeugmeister, mehrere

g ( , U . C ^ senrne ist e r und eine bestimmte Abtheilung zur Bedienung der Ge-

^ütze auch im Frieden unterhielt. DieBüchsenmeister zerfielen in

^cuerwerker, ineigentliche Büchsenmeister und inSchlangen- oder

jjJ^r'^ohützen, DenFeuerwerkern lag, zugleich als Verfertigern der

( ]j e t ' S ^ eiler i Oie Besorgung der Wurfgeschütze, und denBüchsenraeistern

»G Cer^ art Faunen ob; die welche die Geschütze bedienten hiessen

l^ mdores (Schanzbauern u. a.). Vor allen berühmt des Treffens

sen^ n . c ^ ler ai *ch überall zumeist begehrt, waren die deutschen Bücli-cn uici8ter.