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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
für das Gemeinwesen überhaupt vielmehr fördernd als hinderlich. ^ ieKämpfe und sonstigen Wirrnisse erhielten die Kräfte in steter Spannung,und Wilhelm 111., wie er es verstand sich in seiner schwierigen Lagemit kluger Umsicht zu bewegen, wusste dem Volke zu genügen, ü |IUgedeihlich vorzuarbeiten.
Getragen von solchen Verhältnissen entfaltete sich der Charakter desVolks innerhalb seiner Grundbedingnisse, und damit die Form des Lebens,zu einheitlich freierer Selbständigkeit. Von vornherein wesentlich demHandel ergeben und auf Häufung von Reichthümern bedacht, nicht demblinden Glücke vertrauend, immer sorgfältig berechnend, gewann dieihui dadurch geeignete Ruhe den Ausdruck von kaltem Ernst nnistrengerer Maasshaltigkeit. Gefestigt in der neuen Lehre als in einemschwer errungenen Gute, erstarkte das Gefühl für Sittlichkeit und Wohlanstand. Das Bewusstsein eigner Thatkraft, dauernd gesteigert durch dieErfolge, erweckte eine Scibstschätzung, welche, nicht ohne die Eigenhedvon Ueberhebung anzunehmen, die Neigung sich innerlich abziiächlic= sCl1hervorrief und beförderte. Dem von den Fesseln der Ueberlicferung b®freiten Verstände offnen Blicks folgend, doch gleich weit entfernt sich' 011ihm beherrschen zu lassen, sondern auch den tieferen Regungen desGemüths ihr Recht bewahrend, wuchs das Verständnis für die Naturund der Sinn für Natürlichkeit. Sowohl den höheren Reizen des ^seins, wie den Künsten und Wissenschaften, als auch den äusseren Lebensgeniissen in gleichem Maasse zugewandt, erhielt mithin die Lcbemform das Gepräge von einer auf gemeinsamem Wohlstände beruhen 1im Selbstgenügen geräuschlos geniessenden, mehr behäbig, als etwa m
Rang und Stand ceremoniös, abgemessenen Haltung. —
Frankreich , durch Heinrich IV. von den Greueln der AnaiCerrettet und wiederum zu geschlossner Macht erhoben, hätte wohl auf sgefestigtem Grunde zu fernerem Gedeihen fortbauen können.Ludwig XIII . war nicht Heinrich IV. , und die Bevormundung se ’ 1,elMutter, der katholischen Maria von Medicis , bei ihrer ungemeinensch Wendung, als auch die Entlassung Sullj/’s, eben am wenigsten ‘angethan. Gleich mit neuen Steuerauflagen und bedrohlichen Einsch ia1 ^kungen der Glaubensfreiheit vorgehend, rücksichtslos nur auf 'Vergiö®®^rung der königlichen Macht im Innern bedacht, war das Fundament 1gelockert, das Reich abermals dem Getriebe der Parteiungenstellt. Die Verbindung des Königs durch seine Verheirathung mit *von Ocstreich (1615) mit Spanien , der ungeachtet seiner 'S ersei »‘digung (1614) fortdauernde Einfluss seiner Mutter, im Verein mit ! ^lieus (seit 1624) sich zur Unumschränktheit erhebenden Gewalthc r, ® c ’die ihre Fäden nach allen Seiten nur zu geschickt zu verknüpfen " U3 j engaben sowohl dem im eignen Lande angefachten Brand, als aac 1