III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
trieben. Zweikämpfe, meist um Lappereien, gehörten mit zur Tages-ordnung. Und wenn dadurch schon während der nur kurzen RegierungHeinrichs IV. nahezu an viertausend Edelleute ihr Leben verloren, wurdeselbst eine solche Summe unter Luclu-ig XIII. verhältnissmässig weitübertroffen.
Ludwigs XIII. Tod (1643) und das Ableben mchelieu's (1642) be-rührten diese Zustände wenig. Der Nachfolger des letzteren, Mazarin ,war den Weibern abhold, ja geradezu ein Weiberfeind, und Anna vonOestreich , nun Regentin für ihren noch nicht mündigen Sohn, Ludwig XIV. ,trotz ihrer spanischen Erziehung, in den herrschenden Ton hineingewöhnt.Auch selber keineswegs unbescholten, liess sie den Weibern freies Spiel,wogegen die Männer nun ihr Gebahren vorzugsweise gegen diese, ebengefördert durch Mazarin, mehrentheils geradezu absichtlich fast zur Form-losigkeit steigerten. Von einer zarteren Anstandsform war überhauptkaum mehr die Rede, und wo sich etwa noch Sittlichkeit zeigte, wurdesie gleichsam als ungereimt spöttisch belächelt oder angestaunt. Dennochwar sie nicht gänzlich verschwunden, auch ebensowenig etwa jede höhereRegung erstickt worden. Noch gab es auch beim weiblichen Geschlechteimmerhin Ausnahmen, welche sowohl fähig waren sich für eine Idee zubegeistern und für sie, wie dies einzelne Damen in den Unruhen der„Fronde“ (1648—1654) überraschend bethätigten, selbst in höchster männ-licher Kühnheit mit ihrem Leben einzustehn, als auch der Zügellossigkeitmit Geist und Maass zu begegnen. — Aus der Zahl derer, die sich seitlänger von der wogenden Gesellschaft zu würdiger Bethätigung auf sichzurückgezogen hatten, erhoben sich die Marquise de Sable und nach ihrinsbesondere die Marquise de Rambouillet zu Mittelpunkten eines Kreisesvon Gleichgesinnten beiderlei Geschlechts, welcher, zugleich mitbegünstigtdurch das ihm entsprechende spanische Wesen der Königin Anna, schnellan Umfang und Bedeutung wuchs. Wesentlich eine schöngeistige, wissen-schaftliche Richtung verfolgend, mithin auch das äussere Gebahren dem-gemäss regelnd und beschränkend, galt dieser Kreis bald allgemein alsdas Muster guten Geschmacks, und trug so vor allem dazu bei, beimweiblichen Geschlechte das Bestreben nach geistiger Bildung zu befördern.Bei der dem Geschlechte eignen Empfänglichkeit und Willenskraft mehrtesich demzufolge die Zahl gelehrter Weiber ziemlich rasch, während dieMänner, bei allendem stets mehr nach Aussen hin verharrend, weit hinterihnen zurückblieben. Aber wie vortheilhaft sich das Wesen dieses Kreisesäusserte, indem es den Sinn dem Geist_ unterwarf, überdies dem äusserenVerhalten der Geschlechter zu einander eine würdigere Form an wies,führte doch auch sein einseitiges Ziel immer möglichst geistreich zu sein,wie auch den Damen nur geistig zu huldigen, in Denken, Sprechen undVerkehrsart von der Natürlichkeit weit ab, zu einer selbstgefälligen, S e '