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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

Staatensystem überhaupt, wie auch durch die von ihm beständig inWaffen unterhaltene, von dem kriegslustigen Louvois stets ergänzte Heeres-macht die Meinung unüberwindlich zu sein, als auch den freilich vonihm selbst am wenigsten verdienten Ruhm, sein Reich zum Angelpunktder Kultur und zum Hauptstaat von Europa gemacht zu haben, dochdas Eine erreichte er nicht, da er gs nicht zu erstreben vermochte, seinVolk von der inneren Verderbniss zu retten, es vor Elend zu bewahren,und den eigenen Ruhm dauernd zu festigen. Alles was ausser ihm be-stand, sein gesammtes Untertlianthum, galt Jhm völlig als Nebensache,als lediglich dazu bestimmt mit Blut und Gut unbedingt ihm zu dienen.Mit dessen Besitzthum rücksichtslos schaltend, gerieth er bei gerciftercnJahren einmal selber darüber in Zweifel, ob solches auch rechtmässigsei. Aber sein Alles beschönigenderwürdiger Beichtvater Lctellierwusste ihn auch in diesem Fall mit der Selbstverständlichkeit zu be-ruhigen. Dass Ludwig XIV. , und mit ihm was zum Hofe zählte, inPrachtaufwand maasslos verschwendete, wäre wohl, da die Summen da-für zum grossen Theil im Lande umliefen, dem allgemeinen Wohlstandeher fördernd als hemmend gewesen; schädlich aber war, dass er denHof, zur Steigerung des Glanzes nur seiner Person, zum alleinigen Sammel-punkte eines ehrsüchtigen Reichthums erhob und still gebieterisch ver-langte, dass Alles was als irgend vornehm und gebildet gelten wolle sichum ihn, gleich wie um eine Sonne, feierlichst vereinige. Denn hiermitsah sich namentlich fast der gesammte besitzende Adel freiwillig und un-freiwillig veranlasst, dem stummen Befehle nachzukommen, und fremdenHänden die Verwaltung seiner Güter zu vertrauen, welche nun tbeils g e 'wisscnlos theils mangelhaft bewirthschaftet, vielfach in Verfall gerietben,was denn freilich auch auf die Gesammtheit höchst verderblich zurück-wirkte. Jedoch sich darüber zu erklären oder zu Gunsten des Gemein-wohls etwa dagegen aufzutreten, auch w r enn es dazu an Einsicht nichtfehlte, wäre Angesichts des Königs ein verbrecherisches Wagstück g e 'wesen. Selbst Colberts erfolgreiche Finanzthätigkeit bezog sich wesenthenur auf ihn, auf Vermehrung seiner Einkünfte. Ihn und den wildenLouvois, der ähnlich Für die Kriegsmacht sorgte, konnte der Könignicht entbehren. Sonst aber war ihm bei seiner Beschränktheit, bei seinEitelkeit einzig zu glänzen, jede wahrhaft bedeutende Kraft zu unbequem, um sie neben sich zu dulden, geschweige denn heranzuziehen-Nur die in Bewunderung seiner Person ersterbende, geschmeidige Mn emässigkeit fand bei ihm gnädige Förderung. Doch, da eben allein in 81 ^verliebt und in der Selbsttäuschung befangen, dass ausser ihm Niemazu herrschen vermöge, ward gerade er nur um so leichter von Schmlern und seinen Maitressen beherrscht. Kaum noch ein König unter a (dem Einflüsse seiner Weiber so dauernd als Ludivig XIV., obschou