Geschichtliche Uehersiclit.
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Von ihnen nicht ein einziges wahrhaft liebte, vielleicht ausgenommen nurseine frühesten Neigungen, die liebenswürdige Mancini und die schöneLa Valilre. Auch das Weib, das er erwählte, galt ihm als nur dazubestimmt willenlos seinen Launen und seiner Eigenliebe zu dienen.
Indessen wie Ludwig XIV. die eigentliche Maitressemvirthschaft vonneuem belebte, so änderte sich auch gleichermassen die Stellung des weib-lichen Geschlechts. Das Weib gewann in den Augen des Mannes, wennfreilich auch nur nach der Richtung, abermals an Wertschätzung, was( lenn zugleich nicht ohne Wirkung auf die Form des Lebens blieb. DerKönig selber ging darin voran. Wohl nicht ohne Einfluss seiner Mutter,a K Spanierin, auf seine Erziehung, beobachtete er seit früher Jugend derGesellschaft gegenüber eine wohlgemessene Höflichkeit, insonderheit aberS c gen die Damen, ohne Rücksicht auf ihren Rang, einen edelmännischenAnstand. Allerdings war dies rein äusserlich, ja fand selbst sein Gegen-
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5r > der sonst schonungslosen Weise, in der er mit seinen Weibern
erfuhr, wurde jedoch nunmehr allgemein und gab so dem Verkehr beider^schlechter wenigstens eine leidliche Tünche, indessen den Weibern auch^‘ e der ein Mittel sich durch berechnende Zurückhaltung um so höher zuJ'iwt'rthen. Auch war die Beobachtung solcher Form, namentlich ime gensatz zu der offenkundigen Entsittlichung, eben nur einer derVl elen Widersprüche, in denen sich Ludwig XIV. , recht eigentlich alse,n Kind seiner Zeit, bis an sein Ende hin bewegte. Indem er den Adel^ sich vereinte, um den Glanz seiner Person zu erhöhen, veranlasster 'hn absichtlich sich dennoch zu ruiniren, und, um stets der Erste zu sein,^ nvis chte er seiner Person gegenüber jeden Stand- und Rangunterschied.^ seinem Hofe einerseits die grösste Freiheit zulassend, führte er an-er seits das steifste, weiteste und strengst ausgebildetc Cercmonienwesen• Und während er so den Adelstand sich gegenüber vernichtete,^ me er ihn zugleich unter einander und so auch, in absteigenden Gra-die übrigen nichtadligen Stände, sie sämmtlich zu seinen Dienernj. ' eiK ^ Ueberprächtig in Ausstattung seiner Umgebung und seiner sich
Überstürzenden Festlichkeiten, wobei Pracht und Geschmacklosigkeitmit (i,« ’
fiir *° SSe unc ^Ueerheit wetteiferten, maasslos in Vergeudung von Summenf e< I'glieh ruhmsüchtige Kriege und zahlreiche Abhängigkeitsgehälter fiir^ e rode Fürsten u. A., blieb er von dem Elend und Jammer neben sich völligsch ° rÜhrt ; ^' es Alles in stetem Widerspicl von Frommthuerei und Aus-e . ' Ve K u ng, von Verfeinerung der Anstandsform und gröbster VerletzungDu a . * er Sitte, von geschraubter Verehrung der Weiber und Verhöh-’nne* "*' reS ^ est 'bl (;c bts, von äusserer Förderung der Wissenschaft und... .° rw Verachtung derselben, begrenzt durch den Mangel an Aufklärung,lttl Grunde nur tiefer belebt von den Damen, in welchen sich eine
und
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Cre > zu >n Tlieil selbst gelehrte Bildung fand.