Geschichtliche Uebersicht.
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Sl( -h einerseits von dem Natürlichen entfernte, um so höher stieg ander-® e,ts die Sehnsucht, sich dem wiederum zu niiheru. Aber der Weg zun den war schwierig, und noch schwieriger Maass zu halten. Indessenin den höheren Ständen die Unnatur in starrer Gespreiztheit, ingeistiger und äusserer manierirter Verschnörkelung ihren Höhepunkt er-hellte, da waren dadurch auch die Gegner zur volleren Reife erzogen^oiden. In Moliere fanden sie ihren Ausdruck. Und gleichwie es seinemeiste gelang allen den Verschrobenheiten, zu welchen sich die „feine“Seilschaft verloren hatte, einzig durch die Aufführung seines geschärftWitzigen Lustspiels „Les precieuses Ridicules “ (1659) nachdriicklichst zue 6 e gnen, so auch wirkte er überhaupt belebend zurück. Auf den ver-schiedensten Gebieten strebte der Geist sich zu befreien. Die Geistlich-e| t versenkte sich in die Schätze des Alterthums, um sie sich zu eigenai1 machen und der weiteren Forschung anheim zu geben. Auch vorförtcrung der tiefsten Fragen schreckte selbst sie nicht mehr zurück.In gleicher Eifer regte sich in Bearbeitung der Naturwissenschaft, wien,c ht minder in der Geschichte und den abstrakten Wissenschaften. VollzogSlc *‘ Alles dies vorerst noch unter der geistigen Oberherrschaft des all-^ietenden Richelieu mehr gebunden, einseitiger, langsamer, nahm esa, m aber unter Colbert (seit 1657) in vielseitigster Gliederung einen umSa ^eieren, rascheren Schwung. In den von ihm, in umsichtiger Wür-‘gung dieser Bestrebungen für das Staatsleben, nun (bis 1671) zahl-re, cfrer begründeten Akademien, je eigens für alte Literatur, Mathe-a ' a tik und Naturwissenschaft, Bildhauerei, Malerei, Baukunst und Musik,a |m denn jeder einzelne Zweig seine besondere Förderung. Die Fort-ehr itte steigerten sich ungemein. * Auf jedem Gebiete erhoben sieh Geister,!' e * c he die gerechte Bewunderung der gebildeten Mitwelt erregten und, lren Einfluss weit über die Grenze Frankreichs verbreiteten. Auch^hlte dazu fortgesetzt keine geringe Zahl von Frauen, davon sichp^ lre| e vorzugsweise in schönwissenschaftlicher Bethätigung durch feineneae hmack auszeichneten. Ein solcher Vorzug des weiblichen Geschlechtsau Ptete sich auch in den höchsten Ständen, und blieb somit auch auff ! ese Stände nicht ohne einige wohlthütige Wirkung. Zu besonders ge-mten Vereinigungspunkten von Geist, Anmuth und reizvollem Anstand,^tfalteten sich die kleineren Hofkreise der Henriette von England und1 Adelaide von Savoyen.
^ b)ie bildenden Künste allerdings, mit vereinzelten Ausnahmen inj^T^frrei, vermochten nicht damit Schritt zu halten. Sie, da fast einzigj 'enste des Königs, blieben in ihrer von der Natur abgelenkten Rich-^8 gebannt. Alle die durch den König dem Hofe, wie dem Leben imsie ^ eiMeinen aufgeprägten Widersprüche gleichsam krystallisirend, warene lebendiger Bewegung nicht fähig. Wie sich in ihnen nun zunehmendKostfimkunde. III. 66