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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das KostUm des 17. Jahrhunderts.

vorzüglich aber im k uns t bau liehen Betriebe, Massenhaftigkeit unGrossheit mit kleinlich schwülstiger Ueberladung, äussere Pracht undinnere Leerheit, Natur und Zwang zur Unnatur, letzteres in der Garten-kunst selbst zu starrer Verkiinstlung jeder irgend natürlichen Form, 111seltsamer Mischung einigte, so auch setzte sich dies, ganz ähnlich wiedas versteifte Hofceremoniel, ohne merkliche Wandlung fort. Dageg cuward die Gewerbthätigkeit durch Colberts unermüdlichen Eifer zUäusserster Regsamkeit angespornt und nach den verschiedensten R c | ltungen auf die sicheren Wege geführt den Betrieb des Auslandes nieallein weit zu überholen, sondern von sich abhängig zu machen. Hauptträger dieser Bethätigung waren die mittleren Stände der Hugenottcfhdie überhaupt auch ausserdem, zumal bei dem Drucke, welchem sie ,iaHeinrich IV. ausgesetzt blieben, stets eine sittlichere Anschauung 11einfachere Lebensform bewahrten. Von nicht geringer Bcdeutm'owurde, dass aus der Mitte der alten Kirche in dem gelehrten Corneh 1 ^Jansen, Bischof zu Ypern , durch sein BuchAugustinus, (seit * ^wiederholentlich gedruckt), eine tiefer bewegende Kraft erstand, die»sie den Jesuitismus angriff und diesem (seit 1661) durch die sich mchißj'den Jansenisten eine Schranke zog, vielseitig höchst heilsam zlirUwirkte.

Im Uebrigen bewegte sich die Gesellschaft auf den einmal gewohnt® 11Bahnen. Obschon ihrem Getriebe nach abhängig von dem Gebühren

Königs, war sie indessen in ihrem Kerne bis zu einem Grad verder i

dass selbst seine nunmehrige Wandlung sie nicht abzulenken vermocht-

Nichts besserte es, dass der alternde König wie eine verbuhlte re °

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Matrone zu kalter Frömmigkeit umscltlug, und seit seiner geheimen

mählung mit der betefreudigen Scarron (seit 1684) seinen überprächtig ^

Hof zu einem völlig freudeleeren, düstern Aufenthalt umschuf; im 1 11111° 7 für ir ^

der Entsittlichung wurde damit nichts geändert, nur dass sie es m °

rathen hielt die Maske der Heuchelei anzulegen. Wiederum nur die F 0

wechselte; doch jetzt um so entschiedner, als sich mit des Königs Fröm

die Frommthuerei hervordrängte, und zugleich mit ihrer Verbrei

der Einfluss seiner Maitresse wuchs. Was von den zahlreichen '' e

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des Königs, wie vielfach sie ihn auch leiteten, keinem einzigen ^° ts0war, das gelang der anfänglich von ihm verschmähten, doch e ^klugen als still beharrlichen Madame Scarron - Maintenon. ta ) \ge,La Vallihre' bis zur Montespan, von ihr bis zur geistlosen 1° ^

nnd von dieser bis zur Scarron (gegen 1680), bestand die absolut® ^immerhin in der Person des Königs; die Scarron aber hatte 1 ^ e rgelauscht, wie man sich seiner bemächtigen könne, es verstau ^ ^ihn die Alleinherrschaft zu gewinnen und bis zu seinem Todhaupten. Die glänzende Mittelmässigkeit seiner Räthe kam ihr zu