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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
den Thron bestieg - , ein Unterschied zwischen den verschiedenen, jedochgleichmässiger gebildeten Ständen, wenigstens in der Anschauung derbürgerlichen, w r eit mehr nur noch dem Rechtsbegriffe nach vorhanden,als, abgesehen von der religiösen Stellung, dem Gebahren nach bestimm-ter ersichtlich. Indessen wie es sich wandelte aussen, so auch wande/tees sich innen, und wiederum wie es sich wandelte innen, so auch wan-delte es sich aussen. Je tiefer sich das Königsthum im Absolutismus verlor und dadurch den Widerspruch je heftiger herausfordevte, uni somehr regte sich dieser nun auch gegen des Hofs wachsende Verschwen-dung, seine zunehmende Leichtfertigkeit und schroffere Abgrenzung.Ganz ähnlich wie sich das Königsthmn in seinem Sinne schärfer ab-schloss, zog sich auch das Volksthum enger, zu mehrerer Selbststän-digkeit zusammen. Sich aber zu jenem in allen Bezügen stets gegen-sätzlicher verhaltend, gewann denn mit der Festigung seiner Anschauungvon seinem Rechte, und dem beharrlichen Bestreben nach Verwirklichungderselben, sein Gebahren nach Wesen und Form das immer entschiedenereGepräge von unerschütterlichem Ernst, entschlossener Ruhe und gediegenermasshaltiger Einfachheit. Jedoch auch, wie sich nun mit der Wucht desDrucks und des Gegendrucks in ihm die Reibungen offenbarten, die Lei-denschaften erregt wurden und um so heftiger entbrannten, je enger sichmit den rein staatlichen tragen die religiösen Fragen verwebten, verlorseine Haltung, wie innerlich, so äusserlich an Einheitlichkeit. - Was dieGesinnung des Königs (heilte, wie der (königliche) Adel und unterK'arl J. auch namentlich die Katholiken, verharrte in der höfischenWeise oder schloss sich dieser an. Dienichtkönigliche Partei hingegenhielt an der von ihr gegensätzlich zum Hofe herausgebildetcn Weisekeineswegs durchweg gleicbmässig fest. Es war dies wesentlich nur derFall bei den der Zahl nach allerdings weit überwiegenden Bekennen 1der englischen Kirche, den „Ep is copa 1 en“, nicht aber bei den Prote-stanten, den „Presbyterianern“ oder „Puritanern“. Denn je meindas Königsthum dem Katliolicisrnus zuneigte, und dadurch sieb vor alle 1 “diese um so tiefer betroffen fühlten, je fester noch traten sie zusammen, sichnun auch von jenen bestimmter absondernd. Gestählt in ihren Anschauungeneinzig auf Verselbständigung und Sicherung nur ihrer Lehre bedacht, sogleichsam darin aufgehend, schlug in ihnen der Ernst zur Starrheit, dieentschlossene Ruhe zum Fanatismus, und die maasshaltige Einfachheit zuselbstgefälliger Entsagung um. Zudem ging aus dem Puritanismus zugleich mit den „Independenten“ noch eine eigene Form hervor. Siesich als einzig von Gott abhängig, als von ihm unmittelbar begnadigteerkzeuge seines Willens darstellend, behaupteten sich nicht allein 10em uuulwcsen des Puritanismus, vielmehr steigerten dies allseitig, es 1)1 Jiürer „gottseligen Dennith“ und willenlosen Begeisterung mischend, bis zu