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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
Dass Karl II. ebenfalls ein Stuart war, das wusste man. Jedgcliwie die Verhältnisse lagen, und wie er sich nun überdies Alles verheis-send ankündigte, da war es wohl nichtsdestoweniger natürlich, dass manihn (1660) mit aufrichtiger Freude empfing. Und wie gerechtfertigt musstenicht auch ein solches Entgegenkommen erscheinen, als er sofort zu seinenRäthen die volkstümlichsten Männer wählte, in Bestellung der Beamtenohne Parteirücksichten verfuhr, das Heer grösstenteils entliess, und selbstauch die kirchlichen Fragen zur Befriedigung erledigte. Indessen, alsdies dann nur zu bald umschlug, sich zeigte, dass auch er weder geeignetnoch gewillt sei dem Volksthume irgend tiefer Rechnung zu tragen —als sein Streben nach Unumschränktheit, seine Stellung zum Parlament,seine in Frankreich verderbten Sitten, seine ungemessenc Verschwendung,vor allem aber seine Hinneigung zum Katholicismus offenbar wurde,da freilich hätte es auch wohl nicht einmal mehr seiner Verheiratungmit der katholischen Katharina von Portugal bedurft (1662), um d> eLiebe, die man ihm entgegen getragen, in Widerwillen und Hass z>*verkehren. Jedoch das Volk war im Rückblicke auf die so trübe Ver-gangenheit des offnen Gegenkampfs müde geworderr.
Es erkannte des Königs Abhängigkeit von Ludwig XIV. , von demer einen Jahrgehalt bezog, es ahnte, dass er katholisch sei, ja fügte sichin den von ihm (1664) eigenwillig begonnenen und (1667) höchst ungünstigendigenden Krieg, ohne dem Allen schon gerade drohender als mit Ver-achtung zu begegnen. Aber auch diese Duldung fand ihr Maass. Undwenn man selbst noch geschehen liess, dass er (nin 1670) ein Ministerien'ganz nach seinem (katholischen) Sinne einsetzte, und im Bündnisse mitFrankreich , ohne Einwilligung des Parlaments, (1672) gegen Holland Krieg führte, drängte doch sowohl die Weise, in welcher das gehässig 13Ministerium („Cabal “) verfuhr, als auch die verderbliche Leitung de 3Kriegs, wie nicht minder die Eigengewalt mit der der König mehrereStädte ihrer Freiheiten beraubte, und schliesslich die Schmach, mit welcherman (1674) den Frieden gleichsam erkaufen musste, zu hartnäckigeremWiderstande. Dass sich (1671) der Bruder des Königs, Jakob II. , zuB1Katholicismus bekannte, und (1673) mit einer katholischen Prinzessin,Maria von Modena , vermählte, erhöhte die Spannung um so mehr. I'i-dessen war auch wohl auf den König das herbe Schicksal seines Vater»nicht ohne tiefere Wirkung geblieben. Denn als sich jetzt das Parlamentmit seinen Forderungen erhob , da gab er nicht allein theilweise nach,sondern erwies sich auch, indem er (1673) die „Testacte“ bestätigte nnselbst (um 1677) seine Nichte dem protestantischen Wilhelm V ° 1XOranien vermählte, im Grunde als befangen und furchtsam. Dies aber,wie noch insbesondere die Entdeckung der Verschwörung des Graf#*von I ork sich des Throns zu bemächtigen und den Katholicismus durc