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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

anderntheils hatten diese selber den Boden unter sieh verloren undwurden so an sich weit mehr zur Verteidigung oder Befestigung ihre»staatlichen Besitzthums als ihrer Glaubensmeinung gedrängt. Vermochtedoch selbst auch d i e Glaubensbegeisterung, die Gustav Adolf mitbrachte,ihn, gegenüber seinen Erfolgen, keineswegs von weltlichen Nebeninteressenfrei zu erhalten; um wie viel mehr aber mussten nun solche erst beidenen überwiegen, die, ohne wahrhafte Glaubensbegeisterung, in demallseitig verwirrenden Kampfe zugleich die günstige Gelegenheit erkannten,ihren Besitzstand zu vergrössern. Und eben diese letzteren bildeten beiweitem die Mehrzahl. Es war dies nur eine Seite des Kampfs, obschongerade die, welche seinen Folgen dauernde Bedeutung gab, eine anderetiefverderbliche, wenngleich in der Wirkung weniger nachhaltig, war dieWeise, in der er geführt wurde. Sie, noch beruhend auf dem Land»'knechtsthum, dem der Krieg als Handwerk galt, und das, wenig danachfragend warum es sich eigentlich handele, immer da am liebsten dientewo zumeist zu gewinnen war, erhielt gleich anfänglich den Charakter vongrossen Kaub - und Verheerungszügen, nicht etwa lediglich gegen denFeind, vielmehr gegen den Besitz überhaupt. So aber, auch noch msbesondere seitdem der ritterlich gesinnte Ernst Graf von Mansfeld g ezeigt hatte, wie man auch ohne bedeutende Mittel grosse Heeresmassenaufbringen und sich erhalten könne, es durch ihn nun zum Grundsatzward dassder Krieg den Krieg ernähren müsse, und dies dann vorallem Wallenslein in grossartigstem Maassstabe systematisch bis zl *äusserster Säbeldespotie durclifiihrte, blieb denn das bürgerliche Gemeinwohl, eben als Zweck des Kriegsunterhalts, gänzlicher Vernichtum,ausgesetzt. Alle Bande lösten sich: Das gegenseitige Vertrauen schwa» tHandel und Wandel verfielen am schnellsten, denn mit der Unsicheredes Besitzes, der Ungewissheit wie lange man das Erworbene se nnennen dürfe, erlahmte auch der Trieb zum Erwerb; der Landbau erlatlden Hufen der Rosse und dem Getümmel der Kriegsmassen; die Lim--ward als nutzlos nicht begehrt, die Wissenschaft nahezu verachtet. ^dem Unbestand gegenüber rasches Vollgeniessen dessen, was geradeAugenblick bot, steigerte in immer weiterem Kreise Habgier, Verschwen'düng, Aufwand, Putzsucht, Sittenlosigkeit, Völlerei bis zu argerwilderung, beförderte Raubsucht, und Gleichgültigkeit gegen das Ldes Anderen. In der Gewöhnung an jegliche Gräuel erstarb jedesGefühl; auch das Scheusslichste lernte das Auge ertragen. Bestanvon dem beutegierigen, wilden Landsknechtsthum umgeben, i n 8 ^

Furcht vor seinen rohen, selbst unmenschlichen Erpressungen, suchte ^sich vielfach davor zu sichern, indem man sich selber ihm anschloss

doch es unterstützte. Und wie denn eben nur die Waffe, einzigSoldat noch galt, so ward nun auch für das äussere Gebühren

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